Altersarmut (k)ein Thema für Kommunen?

Im Jahr 2026 fallen insgesamt vier regionale Wahlen in unterschiedlichen Bundesländern in den „Frauenmonat März“. Die Kommunalwahlen in Bayern und die Landtagswahlen in Baden-Württemberg finden am Sonntag, den 8. März 2026 zum Internationalen Frauentag statt.

Dieser Tag steht seit über 100 Jahren für den Kampf von Frauen für Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden weltweit.

Illustration einer nachdenklichen Frau mit Fragezeichen über ihrem Kopf. Der deutsche Text diskutiert Mythen über Altersarmut und hebt die Bedeutung der Renten bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 in Bayern hervor.

Altersarmut! Selbst schuld?

Das „Bündnis gegen Altersarmut insbesondere von Frauen“ in Bayern sagt dazu: Es ist Zeit, veraltete Mythen zu hinterfragen und politische Verantwortung zu übernehmen, um Altersarmut wirksam zu bekämpfen. Denn Rente und soziale Absicherung sind auch kommunale Themen!


8.3.26: Kommunalwahlen in Bayern; Landtagswahlen Baden-Württemberg
15.3.26 Wahl der Kreistage in Hessen
21.3.26: Landtagswahl Rheinland-Pfalz


Eine deutsche Infografik, die mit dem Mythos aufräumt, dass Altersarmut selten ist. Sie zeigt eine Frau mit einem Vergrößerungsglas, ein weibliches Geschlechtssymbol und einen Text darüber, dass ältere Frauen, alleinerziehende Mütter und Pflegerinnen häufig betroffen sind.

1. Mythos: „Altersarmut betrifft nur wenige. Schon gar nicht bei uns.“

Deutschlandweit sind rund 20 % der Menschen über 65 Jahren armutsgefährdet, das sind über 3,5 Millionen Menschen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen: ca. 20–21 % der Frauen über 65 Jahre und nur ca. 15–16 % der Männer über 65 Jahre.

Altersarmut ist kein Randphänomen. Sie betrifft Frauen, weil sie ihr Leben lang weniger verdient, häufiger Teilzeit gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben. Diese Lebensläufe sind keine Ausnahme, sie sind die Regel!

Altersarmut ist leise. Sie schreit nicht, sie zieht sich zurück. Sie sitzt nicht im Stadtrat, sondern zu Hause und dreht die Heizung runter.

Altersarmut ist da. Auch hier. Sie wird nur oft übersehen:

  • Die ältere Frau, die Einladungen absagt, weil sie nichts zurückgeben kann.
  • Die Nachbarin, die sagt „Mir fehlt nichts“, obwohl sie seit Monaten neue Schuhe braucht.
  • Ein kaputtes Haushaltsgerät ist nicht nur einfach ärgerlich, sondern existenziell, weil die finanziellen Reserven fehlen.
  • Einkaufen heißt rechnen, nicht auswählen.
Eine illustrierte Infografik in deutscher Sprache verdeutlicht die geschlechtsspezifischen Rentenunterschiede in Bayern. Sie zeigt eine Frau mit einem fragenden Gesichtsausdruck und besagt, dass Frauen 33 % weniger Rente erhalten als Männer und häufig in Teilzeit oder in Niedriglohnjobs arbeiten.

2. Mythos: „Wer gearbeitet hat, muss sich keine Sorgen machen.“

In Deutschland erhalten 42 % der Rentner*innen weniger als 1.000 € gesetzliche Rente im Monat. Deutschlandweit haben Frauen im Schnitt ein Viertel weniger Alterseinkommen als Männer.

Wer gearbeitet hat – aber nicht so, wie das Rentensystem es belohnt – muss sich sehr wohl sorgen. Frauen haben gearbeitet. Viel. Und hart. Aber Arbeit schützt nicht vor Armut. Das Rentensystem bemisst sich ausschließlich an Erwerbsarbeit. Es ignoriert grundsätzlich Lebensarbeit.

Lebenslange Arbeit bedeutet nicht für das Alter ausgesorgt zu haben:

  • Jahrzehntelang im Einzelhandel gearbeitet, immer auf den Beinen gewesen, doch die Rente reicht trotzdem nicht zum Leben.
  • Teilzeit gearbeitet wegen fehlender Ganztagsbetreuung mit lebenslangen Folgen für Karriere und Rente.
  • Wenn die Kinder aus dem Haus sind, müssen oft Angehörige gepflegt werden: Volle Verantwortung, aber kaum Absicherung.
Eine deutschsprachige Infografik, die mit dem Mythos aufräumt, dass Kommunalverwaltungen Altersarmut nicht bekämpfen können. Sie zeigt eine Frau mit einem Vergrößerungsglas und Symbole für die Stärkung der Rolle der Frau und für Barrierefreiheit.

3. Mythos: „Der Stadt- oder Gemeinderat kann gegen Altersarmut wenig tun.“

Deutschlandweit beziehen über 740.000 Menschen Grundsicherung im Alter. Viele weitere hätten Anspruch, stellen aber keinen Antrag. Besonders davon betroffen sind alleinlebende ältere Frauen. Altersarmut spielt sich vor Ort ab und genau hier kann sich etwas verändern. Für ältere Frauen entscheidet sich in alltäglichen Dingen, ob sie sichtbar bleiben oder verschwinden:

Kommunalpolitik ist verantwortlich dafür, ob Altersarmut abgefedert wird oder sich verschärft. Wie sieht es in Ihrer Gemeinde aus?

  • Sind die Öffis so teuer, dass manche Nachbarn*innen zu Fuß laufen statt den Bus zu nehmen? Oder können alle Menschen mobil sein, ohne nachzudenken?
  • Bleiben Menschen zu Hause, weil es keine kostenfreien Treffpunkte und Freizeitaktivtäten gibt? Oder gibt es Orte in Ihrer Gemeinde, an denen alle willkommen sind?
  • Wie viele Menschen in der Gemeinde erfahren keine Beratung, weil sie kompliziert, weit weg, nicht erreichbar oder beschämend ist? Oder wissen Bürger*innen, wohin sie sich vor Ort
  • barrierefrei und niedrigschwellig wenden können und Hilfe finden?
Ein deutsches Informationsplakat räumt mit dem Mythos auf, dass nur nationale Behörden Altersarmut bekämpfen. Es zeigt eine Frau, die durch ein Megaphon spricht, und listet auf, wie lokale Regierungen helfen können, auf einem lila Hintergrund mit einem weiblichen Geschlechtssymbol.

4. Mythos: „Zur Bekämpfung von Altersarmut sind in erster Linie Bund und Rentenkasse gefordert.“

Die politische Verantwortung, gegen Altersarmut vorzugehen, tragen Bund und Rentenkasse, aber auch Länder und Kommunen. Auf allen politischen Ebenen lässt sich Altersarmut bekämpfen, wenn der politische Wille gegeben ist. Denn wo ein Wille ist, Maßnahmen zu unterstützen und Mittel bereitzustellen, die den Lebensabend von Rentnerinnen qualitativ aufwerten und die konkrete Haushaltssituation von Betroffenen verbessern, ist bekanntlich auch ein Weg!
Altersarmut von Frauen fängt nicht erst mit der Rente an. Altersarmut ist kein Schicksal, sondern eine Folge schlechter politischer Entscheidungen.

Ein Plakat mit deutschem Text zur Bekämpfung der Altersarmut, mit Logos verschiedener deutscher Organisationen und Gewerkschaften, die sich für Frauenrechte und Solidarität am 8. März einsetzen. Farbgebung in Blau, Lila und Rosa.

Am 8. März wählen heißt: Altersarmut bekämpfen – vor Ort, konkret, solidarisch!

Wer Gleichstellung ernst meint, muss Altersarmut bekämpfen.
Wer Altersarmut bekämpfen will, muss feministisch denken.
Und wer Kommunalpolitik macht, kann sich nicht wegducken.

Informieren Sie sich über die Parteiprogramme und fragen Sie konkret bei den Kandidat*innen nach. Wählen Sie demokratische Parteien.
Wählen Sie Frauen, damit weibliche Lebensrealitäten in der Politik mehr Gewicht bekommen!

Es geht 2026 um mehr als Blumen: Es geht um Demokratie, Frieden, Macht, Teilhabe und Gerechtigkeit!

Nina Golf, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern“

Banner mit einem großen wählenden X, einem Text über den Internationalen Frauentag und die Wahlen am 8. März 2026, der die Rechte der Frauen betont, und einer Frau, die ein Megaphon hält. Enthält einen QR-Code und die Phrase Deine Stimme zählt - mach sie laut!.

 

Bild: KI-generiert (Adobe Firefly)D

Dieser Beitrag ist Teil des Online-Schwerpunktes „Frauenmonat März 2026“.

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