„Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ Wie wohltuend, diese Worte. Und noch wohltuender, wenn sie halten, was sie versprechen. Auch auf der Arbeit. Wenn die Kollegin übernimmt, weil man sich spontan um den alten Vater kümmern muss. Wenn die Chefin einen unterstützt und fördert bei der eigenen Weiterbildung. Wenn der Betriebsrat sich bei drohendem Stellenabbau hinter und vor die Belegschaft stellt. Es tut gut, wenn eine da ist, wenn man sie braucht.
„Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ ist das Motto der diesjährigen Buß- und Bettagsinitiative der evangelischen Kirche in Bayern. Diese Initiative legt Gott selbst diese Worte in den Mund. Im Hintergrund steht die Erfahrung vieler Menschen über viele Jahrhunderte. Die Geschichten der Bibel erzählen von dieser Erfahrung ebenso wie zahlreiche Zeugnisse von Christinnen und Christen weltweit. Gott ist da, wenn man Gott braucht.
Auch für mich? Wer so fragt, will es wissen, oder besser: will es auch erfahren. Eine wunderbare Frage. Und der Anfang auf dem Weg, diese Erfahrung zu machen. Es ist zugleich das große Rätsel, wie Gott ist da, wenn man ihn braucht, und die große Verheißung, dass Gott da ist, wenn man ihn braucht.
Ich werde sein, der ich sein werde.
(Exodus 3, 14)
So stellt sich Gott dem Mose im brennenden Dornbusch vor, rätselhaft und verheißungsvoll. Auf seinem Weg von da an enthüllt sich dieses Rätsel für Mose, indem die Verheißung erfahrbar wird. Gott geleitet Mose und das Volk Israel, das ihm anbefohlen ist, aus der Sklaverei in Ägypten durch eine lange Wüstenzeit in das verheißene Land.
Dieser Weg steht beispielhaft für alle, die erfahren haben, dass Gott da ist, wenn man ihn braucht. Wüstenzeiten blieben ihnen nicht erspart. Und doch machten sie ein ums andere Mal die Erfahrung, dass Gott da ist, wenn man ihn braucht.
In dem Gleichnis „Spuren im Sand“ von Margaret Fishback Powers fragt die Autorin Gott , als sie auf ihren Lebensweg zurückblickt und an manchen Stellen zwei, an anderen nur eine Fußspur entdeckt:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“
Da antwortete Gott:
„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“
Pfarrer Peter Lysy, Leiter kda Bayern
Foto: canva.com




