Das Jahresthema 2026 im kda Bayern ist „Spannungsfeld Arbeitszeit“. Uns schienen Schlagzeilen in der Presse wie „Sind die Deutschen zu faul?“ oder „Haben wir zu viele Feiertage, um unseren Wohlstand zu halten?“ irgendwie zu reißerisch. Generell greift der Begriff Work-Life-Balance doch viel zu kurz. Ist Arbeit denn kein Leben?
Dieses ganze Schneller-Höher-Weiter unseres Lebens und der Anspruch auf ewiges Wachstum der Wirtschaft ist sicher ungesund. Aber wie kann ich denn dann zu einer gesunden Lebens- und Arbeitseinstellung kommen?
Spannend fand ich unter diesem Aspekt eine Tagung der Akademie Tutzing, in der es eigentlich um Musik ging. Wir sind es in unserem westlichen Denken zu sehr gewohnt, alles linear zu sehen. Eine Entwicklung als Weg von A nach B zu betrachten, Zahlen auf einem Strahl zu denken: 4 ist mehr 2.
Was, wenn gar nicht alles linear betrachtet werden muss? Wenn wir Zahlen quantitativ denken statt qualitativ? Sicher sind 4 mehr als 2, aber das muss nicht bedeuten, dass mehr auch gleich besser ist.
Der Redner bei der Tagung bezog es auf Töne. Wenn man eine Saite halbiert, bekommt man den gleichen Ton, nur eine Oktave höher. Kürzer ist also nicht schlechter, sondern eine andere Schwingung.
Das Leben ist nicht so linear, wie es scheint. Schule, Abschluss, Studium, Ehe, Hausbau, Kinder … in genau dieser Reihenfolge. So funktioniert Leben nur ganz selten. Oft müssen wir Schleifen ziehen und Umwege gehen. Das bedeutet nicht, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben. Muss zum Beispiel jeder Abitur machen und studiert haben?
Wichtig wäre doch, unsere Bestimmung zu finden. Wer Resonanz bekommt für das, was er oder sie tut, empfindet Sinn im Leben. Arbeit und Leben sind dann keine Gegensätze mehr.
Sehen wir also Umwege nicht als Scheitern. Wenn wir nach einer abgebrochenen Lehre oder einem gewechselten Studiengang neu ansetzen, dann ist das Wachsen daran auch ein Ziel. „Umwege erweitern die Ortskenntnis“ sagt der Volksmund.
Gib Dich der Musik Deines Lebens hin. Vielleicht hat genau Dein Ton noch gefehlt in der großen Weltenmusik. In die große Symphonie des Lebens einstimmen kann man am besten, wenn man seine Be-Stimmung schon gefunden hat. Wohl dem, dessen Beruf ihn erfüllt und daher gut in die Lebensmusik passt.
Was auch immer ihr tut, tut es von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen.
Kolosser 3,23
Dietlinde Peter, Dipl.-Theologin, Verwaltungsleitung kda Bayern
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