„… und eine besinnliche Zeit.“ Das höre und lese ich oft in diesen Tagen und wünsche es auch gerne weiter. Doch was bedeuten Besinnlichkeit und Besinnung eigentlich? Der Duden schlägt mir die Synonyme „Nachdenken“ und „ruhige Überlegung“ vor und dazu den Beispielsatz: „Vor lauter Arbeit nicht zur Besinnung zu kommen.“ Dieser Satz gibt mir zu denken, denn Besinnlichkeit und Arbeit erscheinen hier fast wie Gegensätze.
Ist Besinnung und Besinnlichkeit vielleicht nur etwas für arbeitsfreie Zeiten und den Urlaub?
Nein, ich denke, gerade in der Arbeitswelt brauchen wir Zeiten der Besinnung. Sie laden uns ein, zumindest für einen Moment aus dem gewohnten Rhythmus von Tempo, Leistung und Erwartungen auszusteigen, innezuhalten und nach innen zu schauen. Besinnung braucht es auch, um Haltungen zu bedenken: Mit welcher Haltung begegne ich den Menschen in meinem Arbeitsalltag? Welche Haltung prägt mein Entscheiden, mein Zuhören, mein Führen?
Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther sagt: „Das Verhalten wird durch die innere Einstellung, durch die Haltung, gelenkt.“ Deshalb ist es wichtig, gute Erfahrungen zu machen und sich darauf zu besinnen. Ich denke, Besinnung und Arbeit schließen sich nicht aus, im Gegenteil. Ein Mehr an Besinnung in der Arbeitswelt wäre sicherlich gut, und eine von Besinnung geprägte Arbeitszeit ein Mehrwert für alle Beteiligten.
Der Advent ist eine besinnliche Zeit, die uns daran erinnert, dass Gott selbst mit einer bestimmten Haltung in die Welt kommt. Er kommt nicht mächtig und fordernd, sondern in der Gestalt eines Kindes – leise, verletzlich und auf Beziehung angewiesen. Wir sind eingeladen, ihm mit offenem Herzen zu begegnen.
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Zeit
Roland Hacker, Referent Fachstelle Kirche und Handwerk im kda Bayern
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