Betriebe in der Krise

NÜRNBERG. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer tiefen strukturellen Krise. Jobs werden ins Ausland verlagert, ganze Regionen stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Arbeitsseelsorger*innen aus der evangelischen und katholischen Kirche bekommen diese dramatische Situation in ihrer alltäglichen Arbeit hautnah mit. „Betriebe in der Krise: Herausforderung für kda und Betriebsseelsorge“ haben sie ihren diesjährigen Studientag am Dienstag, 10. Februar 2026 genannt. Als Impulsgeber im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus dabei war Jan Körper, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Westmittelfranken.

Die Arbeits- und Betriebsseelsorger*innen der evangelischen und katholischen Kirche kommen in die Betriebe, um für Menschen jenseits ihrer Rollen und Funktionen da sein zu können. Sie bringen Zeit mit, um ihnen einfach zuzuhören.

„Wir Kirchen bringen in die Arbeitswelt ein, was für die Beschäftigen häufig zu kurz kommt: seelsorgerliche Zeit und Raum für ihre Sorgen, Nöte und Ängste,“ so René Steigner, kda-Arbeitsseelsorger für Mittelfranken.

„Was vielleicht banal klingt, wird in einer auf Effizienz und Funktionalität getrimmten Arbeitskultur besonders wertgeschätzt“, ergänzt Peter Lysy, Leiter des kda Bayern.

Das bestätigte auch Gast Jan Körper von der IG Metall. Er verband seinen Impuls mit der Bitte, für Betriebsräte seelsorgerisch zur Verfügung zu stehen. „Noch nie gab es eine so herausfordernde Zeit für Betriebsräte wie heute“, so Körper. Er hob die Besonderheiten der momentanen Krise auch im Vergleich zu anderen Krisen wie der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 hervor. Damals sei immer das Zutrauen da gewesen, dass es irgendwann auch wieder bergauf gehe, so Körper, diese Hoffnung sei jetzt komplett weg. „Mir bereiten die Berichte über die durch die Unternehmens- und Managementseite aufgekündigte Sozialpartnerschaft große Sorgen,“ so Thomas Krämer, wissenschaftlicher Referent im kda Bayern.

Im Anschluss an den eindrücklichen Impuls von Jan Körper tauschten sich die evangelischen und katholischen Kolleg*innen in Kleingruppen über ihre Erfahrungen aus.

„Wenn wir uns als Seelsorger*innen von katholischer Betriebsseelsorge und Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt treffen und austauschen ist immer eine ganz besondere Stimmung im Raum“, so das Fazit von Christian Dittmar, stellvertretender Leiter des kda Bayern und mit den katholischen Kollegen Christian Bindl Norbert Jungkunz einer der Organisatoren des Studientags. „Es herrscht eine große Offenheit und Vertrautheit“, so Dittmar weiter. „Das erwächst wohl aus der seelsorgerlichen Professionalität, in der Dasein und Zuhören die Pfeiler unseres Arbeitens sind. In der Arbeitswelt oder bei Betriebskrisen ist die Seelsorge so unser Alleinstellungsmerkmal unter allen Beteiligten.“

Symbolbild: Gagliardi Photography via Canva

Arbeitslosigkeit, Arbeitnehmende, Wandel der Arbeitswelt, Seelsorge, Krise

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