Wer nach der Schulzeit oder dem Studium einen Beruf ergreift und denkt, jetzt ist es mit Zeugnissen und Beurteilungen vorbei, merkt schnell, dass das nicht stimmt. Im beruflichen Alltag gibt es Beurteilungsgespräche, Zielvereinbarungen und auch Arbeitszeugnisse.
Waren die Leistungsbeurteilungen schon in der Schulzeit für manchen vielleicht nicht sehr beliebt, so sind sie im beruflichen Kontext oft noch lästiger. Beurteilungen und Zeugnisse sollten möglichst objektiv sein. Doch da beginnen oft schon die Schwierigkeiten. Zudem sind Beurteilungen mit Macht und einem Machtgefälle verbunden und haben oftmals finanzielle Auswirkungen. Wenn dann die Selbsteinschätzung und Außenwahrnehmung noch stark differieren, ist der Konflikt schon vorprogrammiert. Ob Recht oder Unrecht – schon allein das Gefühl, dass die eigene Leistung und der Einsatz nicht anerkannt werden oder andere sogar bevorzugt werden, kann tiefe Gräben in ein Arbeitsverhältnis reißen.
In der Bibel heißt es:
Jesus spricht: Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld.
Es ist ein Vers, der Mut macht und Druck nimmt. Vor Jesus muss ich mich nicht rechtfertigen, er kennt mich und mein Tun, auch die kleinen Dinge, die jenseits von großen öffentlichen Erfolgen stehen. Das Leben, auch das Arbeitsleben, ist manchmal mühsam, anstrengend und mit Misserfolgen verbunden. Wie gut tut es da, dass es jenseits dieser Realität jemanden gibt, der mich kennt und weiß um meine Mühen, Sorgen und Nöte. Vor Gott muss ich mich nicht rechtfertigen oder in ein gutes Licht stellen. Vor ihm kann ich sein, wie ich bin. Er beurteilt mich nicht in einer Geheimsprache und fragt nicht nach Zahlen.
Unsere Gesellschaft kommt wohl kaum ohne Zeugnisse und Beurteilungen aus. Mein Wert als Gottes Geschöpf steht aber außerhalb von menschlichen Beurteilungen und Bewertungen. Was durchs Leben – auch das Arbeitsleben – tragen kann, ist Gottes Zuspruch: Ich kenne dich und bin für dich da, du bist angenommen, wertgeschätzt und geliebt.
Roland Hacker
Referent Fachstelle Handwerk und Kirche im kda Bayern
Foto: Canva.com
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