Die Dienstreise soll mich nach München führen, aber ich stehe am Bahnsteig, die Durchsagen verwirren eher und der ICE lässt auf sich warten. Genervt bin ich, mir ist kalt und ich weiß nicht einmal, ob ich München noch rechtzeitig zur Sitzung erreichen werde. Gibt es einen alternativen Zug, und ist der dann wirklich früher am Zielort?
Warten ist oft mit starken Gefühlen verbunden. Wir warten, ohne zu wissen, ob sich das Warten lohnt. Das erzeugt Unruhe, Ärger und Ohnmachtsgefühle.
Die erzwungene Pause am Bahnsteig nutze ich zum Nachdenken. Advent ist eine Zeit des Wartens, aber die empfinde ich nicht als ärgerlich. Wer etwas Gutes erwartet, wartet anders: vielleicht ungeduldig, aber hoffnungsvoll. Warten kann sich gut anfühlen, wenn es voller Vorfreude ist auf den, der kommt.
Der Advent wird auch als „kleine Fastenzeit“ bezeichnet. Er ist eine Zeit der Vorbereitung nicht nur auf Weihnachten, sondern auf Gottes Handeln in der Welt.
Was, wenn nicht nur wir auf die Geburt Gottes warten, sondern Gott auch auf uns wartet? So viele Adventslieder erzählen von der Sehnsucht und von der Hoffnung auf eine hellere Welt. Die Welt ist noch nicht heil, aber wir warten auf Veränderung.
Und diese Veränderung dürfen wir im Kleinen schon weitergeben. Wer wartet auf mich? Vielleicht der Kollege, der mein Gebet braucht, weil er sich um seine pflegebedürftigen Eltern sorgt, oder die Kollegin, der ich etwas Arbeit abnehmen kann, damit sie mit den Weihnachtsvorbereitungen für ihre kleinen Kinder nicht in Zeitnot gerät.
Und während ich überlege, worauf ich eigentlich warte, was mein Wunsch für die Menschheit und die Welt wäre, fährt der ICE endlich ein. Und ich muss schmunzeln, weil mir in dem Moment in den Sinn kommt: Gott ist schon unterwegs zu Dir.
Dietlinde Peter
Diplom-Theologin, Verwaltungsleitung kda Bayern

Ulrich Parent (T.), Martin Rößler (M.): Evangelisches Gesangbuch 47 – Freu dich, Erd und Sternenzelt.
