Die Summe der Dinge. Mittwochsandacht

Mit einem satten Geräusch bohrt sich der Pfeil nach einem kurzen Flug in die schwarze Hartschaumstoffplatte. Ich stehe da, knappe 15 Meter entfernt, habe den Bogen bereits sinken lassen und betrachte mein Werk. „Sauber!“, denke ich mir, „Aber halt sauber vorbei…“, so der zweite Gedanke. Überraschend weit weg von der Stelle, auf die ich eigentlich doch gezielt hatte.

Unzufrieden wird also der nächste Pfeil aus dem Köcher gezogen. Bogen spannen, zielen, loslassen und – wieder vorbei, diesmal auf der anderen Seite der Platte. „Das nervt!“, ist mein nächster Gedanke. Und als ich gerade wieder an den Köcher fassen will, vernehme ich ein freundliches, aber bestimmtes „Geh, woad amool!“ in breitem Österreichisch (zu deutsch: „Warte mal“) in meinem Rücken. Mein Trainer steht da, nimmt mir den Bogen aus der Hand, lächelt und fragt nur „Was wuist du?“ „Treffen.“, ist meine schnelle Antwort, die er immer noch lächelnd zur Kenntnis nimmt. Dann stellt er die Frage: „Und was hält dich davon ab?“

Ich überlege kurz und gehe einen Schritt zurück von meiner Schussposition. Ich atme aus, schließe die Augen, atme tief durch und begebe mich wieder zum Schussplatz. „Denk daran – alles spielt zusammen. Es ist nie nur eine Sache.“, bekomme ich vom Trainer noch gesagt. Konzentriert finde ich meinen Stand, atme langsam durch. Die Bogenhand dreht sich leicht nach Außen, der Pfeil nimmt seinen Weg aus dem Köcher zur Auflage, die Nocke wird in die Sehne eingeklickt.

Nie nur eine Sache“, höre ich nochmal die Stimme hinter mir und eine Hand legt sich auf meine linke Schulter, welche ich dadurch entspanne und wieder absenke. Drei Finger meiner rechten Hand greifen die Sehne und mit einem gleichmäßigen Zug hebt sich der Bogen, meine Sehnenhand berührt meine Wange. Der Blick aufs Ziel, ein letztes Stück ziehe ich noch aus, dann lasse ich die Sehne los. Das Geräusch der Sehne am Bogen hallt nach, ich sehe dem Pfeil hinterher und lasse sowohl Hand als auch Bogen noch einen Moment in der Position, verharre so und sehe wie mein Pfeil nahezu perfekt ins Ziel fliegt. Ich drehe mich zum Trainer um, der lächelnd weggeht „Nie nur eine Sache!“, höre ich noch.

Diese Situation kam mir in den Sinn als es darum ging, einen Text für ein Mitgliederheft zu schreiben. „Teamwork – oder doch lieber Einzelkämpfer“ wäre das Thema. Eine spannende Frage sicherlich, im Arbeitsleben wie auch im persönlichen. Beim Bogenschießen habe ich gelernt, dass Körper und Geist, dass die Bewegungen, der Ablauf, das eigene Wahrnehmen ein beachtliches Teamwork leisten müssen, um im wahrsten Sinne des Wortes das Ziel zu erreichen. Und gleichzeitig muss doch alles für sich im übertragenen Sinne als „Einzelkämpfer“ funktionieren…

Ein Leib – viele Glieder,

das fällt mir als biblischer Bezug dazu ein (1.Korinther 12,12). Ich selbst bin arbeitstechnisch in einem ständigen Auf- und Ab zwischen Einzelkämpfer und Teamwork. Und alles hat seine Vor- und Nachteile, je nach Situation und Herausforderung. Dieser eine Satz aus meiner Weiterbildung hat verfangen: Es ist nie nur eine Sache. Es ist auch für Einzelkämpfer das Wirken im Ganzen, es ist auch beim Teamwork das Engagement der Einzelnen. Es ist nie nur der Leib, es sind nie nur die Glieder. In diesem Sinne einen herzlichen Gruß und daran denken: es ist nie nur eine Sache!

Bleiben Sie behütet, herzlichst Ihr
Diakon Ulrich Gottwald, kda Regionalstelle Augsburg

Foto:  Pexels, Kampus Production

Teamwork,

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