Welchen Platz nimmt das Danken in Ihrem Leben ein? Wie oft hören Sie ein „Dankeschön“ und sprechen jemand anderem ein „Danke“ zu? Und erleben Sie das anders auf der Arbeit wie in anderen Lebenskontexten?
Die Glücksforschung scheint zu bestätigen, was der Philosoph Francis Bacon schon vor 400 Jahren schrieb: “Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.” Aus diesem Grund haben Dankbarkeitstagebücher in unseren Tagen Konjunktur. Die Idee: Man setzt sich am Abend hin und schreibt in sein Tagebuch ein Erlebnis, eine Begegnung, eine Beobachtung, einen Moment, der Dankbarkeit ausgelöst hat. Vielleicht ist einem etwas im Job gelungen, auch etwas, das andere so gar nicht wahrnehmen. Vielleicht hat man eine besonders freundliche Person beim Einkauf, bei der Fahrt in die Arbeit, beim Abholen der Eltern vom Arzt oder der Kinder vom Sport erlebt. Vielleicht hat einem die Natur einen schönen Moment beschert, ein besonderer Sonnenaufgang, ein im Wind sich wiegendes Kornfeld, eine schneeweiße Landschaft oder Vögel, die von Ast zu Ast hüpfen.
In der Taktung des Alltags können solche Momente schnell untergehen und vergessen werden. Ein Dankbarkeitstagebuch rettet sie aus der Vergessenheit und ruft sie in Erinnerung. Der flüchtige Moment wird beim Niederschreiben noch einmal lebendig und man mit ihm auch. Denn Dankbarkeit macht lebendig und lehrt einen, die eigene Lebendigkeit zu schätzen. Wie schön es doch sein kann, am Leben zu sein!
Das Erntedankfest, auf das wir dieser Tage zugehen, ist ein Fest der Dankbarkeit. Wir danken Gott für alle guten Gaben, die wir aus Gottes Güte tagtäglich empfangen. Die Feldfrüchte, die an den Altären allüberall ausgelegt werden, sind sichtbare Zeichen dieser Güte. Sie öffnen uns die Augen für das, was wir sonst vielleicht übersehen, ganz im Sinne des 103. Psalms, wo es heißt:
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
(Ps 103,2)
Wäre es denn nicht schön, jeden Tag ein bisschen Erntedank zu feiern?
Pfarrer Peter Lysy, Leiter kda Bayern
Foto: kda Bayern
