Peter Lysy fordert Bildungsvorrang bei Reform der Jobcenter

MÜNCHEN. Anlässlich einer Besichtigung der Werkstätten der Jungen Arbeit kommentierte kda-Leiter Peter Lysy die angekündigte Reform der Grundsicherung. Statt der verengten Sicht auf schnellstmögliche Arbeitsvermittlung sollten Bildung und Ausbildung im Fokus stehen, damit Menschen nachhaltig in Arbeit bleiben. Wie wertvoll das sei, zeigten Einrichtungen wie die Junge Arbeit. Die Jugendwerkstätten in München Hasenbergl hatten am 25. Juli auch prominenten Besuch: Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, machte hier auf seiner Sommerreise Station, um mit Azubis und Ausbilder*innen sowie mit Vertreter*innen der Stiftung zusammen.tun, der Evangelischen Jugendsozialarbeit, der Diakoniekirche und des kda Bayern zu sprechen. 

Polemische Debatte prägt Grundsicherungsreform

Nichts lohnt sich am Arbeitsmarkt mehr als Investitionen in Bildung. Diese durch unzählige Studien belegte Erkenntnis droht der Politik in der oft polemischen Debatte um „faule Bürgergeldempfänger“ abhanden zu kommen. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Wiedereinführung des Vermittlungsvorranges soll Arbeitslose schnellstmöglich in Arbeit bringen, egal in welche Arbeit.

„Wir sind wieder in einer Situation wie vor zwanzig Jahren, als Hartz IV eingeführt wurde und die Jobcenter hunderttausende Erwerbslose in prekäre Beschäftigung drängten,“ sagte Lysy. Das habe nur in seltenen Fällen zur dauerhaften Überwindung der Bedürftigkeit geführt.

Zwei Männer mittleren Alters in einer Jugendwerkstatt, Bildrechte kda Bayern
Peter Lysy (li.) im Gespräch mit Gespräch mit Diakoniepräsident Rüdiger Schuch (re.) in den Münchner Werkstätten der Jungen Arbeit der Stiftung zusammen.tun.

Gespräche mit dem Diakoniepräsidenten Schuch bei Besuch in München

Bei einem Besuch von Rüdiger Schuch, dem Präsidenten der Diakonie Deutschland, in den Werkstätten der Jungen Arbeit in München-Hasenbergl wurde am Freitag deutlich, wie wertvoll und erfolgreich die Förderung von benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren sein kann.

„Diese jungen Menschen benötigen eine Berufsausbildung, keine Vermittlung in ‚McJobs‘, die sie morgen wieder verlieren“,

forderte Lysy. „Wir brauchen einen langen Atem in der Arbeitsförderung, keinen Vermittlungsvorrang um jeden Preis.“ Besser sei ein Bildungsvorrang, wenn Erwerbslosen eine Qualifizierung fehle oder besondere Förderbedarfe bestünden. „Wir dürfen die Fehler von Hartz IV nicht wiederholen!“, so Pfarrer Lysy.

Spendenprogramm „1+1“ unterstützt Beschäftigungsprojekte

Der kda Bayern organisiert für die evangelische Landeskirche das Spendenprogramm „1+1 – Mit Arbeitslosen teilen“, das Beschäftigung in zahlreichen diakonischen Projekten mit Zuschüssen unterstützt. Auch bei der Jungen Arbeit in München wurden schon viele Ausbildungsplätze durch 1+1 gefördert.

Fotos von: kda Bayern

Bildung, Arbeitslosigkeit, Kirche, Betrieb

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