Feiertage streichen für die Konjunktur? kda-Leiter Lysy diskutierte mit Staatsminister Herrmann und vbw-Chef Brossardt

Den Ostermontag zum Werktag machen? So lautete einer der Vorschläge, die Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) im vergangenen Jahr in die Debatte brachte, um der lahmenden Konjunktur auf die Beine zu helfen. Diese Idee der Feiertagsstreichung wurde zum Anlass für eine Podiumsdiskussion, die am 26. März 2026 in der Münchner Volkshochschule in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie München stattfand.  Unter der Überschrift „Unterbrechung des Profanen: Wie viele kirchliche Feiertage können und wollen wir uns leisten?“ – diskutierten Bertram Brossardt, kda-Leiter Peter Lysy und – als zuständiger Vertreter der Staatsregierung – der Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann.

Lysy: „Feiertage erinnern uns daran, dass wir nicht nur für das Monetäre leben“

„‚Der Sonntage und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der seelischen Erhebung und der Arbeitsruhe gesetzlich geschützt‘ – das ist für mich einer der schönsten Sätze in der Bayerischen Verfassung“, begann Peter Lysy die Diskussion. An den christlichen Feiertagen gedenke man Gottes reicher Güte, Barmherzigkeit und Treue. An Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten werde die Geschichte Jesu nicht nur als Erinnerung wach, sondern sie werde zur Gegenwart, aus der Christinnen und Christen lebten. Und auch Menschen, die nicht dem christlichen Glauben angehören, spürten an den kirchlichen Feiertagen „seelische Erhebung“, sagte Lysy. Diese könne auch in Familientreffen oder Ausflügen mit Freunden erlebbar sein. Darin liege mehr als das bloße Auftanken für den nächsten Arbeitstag. Die Feiertage und Sonntage erinnerten uns Menschen daran, dass wir nicht nur für das Monetäre lebten. Eine Streichung von Feiertagen lehnte der Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt aus dieser Perspektive klar ab.

Sechs Erwachsene, gekleidet in Business- oder eleganter Freizeitkleidung, stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera vor einem dunklen Hintergrund. Drei kleine Tische mit Wasserflaschen stehen vor ihnen.
Die Diskutanten und das Veranstalter-Team, Foto: Sebastian Arlt

Brossardt: „Die Streichung eines Feiertages steigert das Bruttoinlandsprodukt um fast fünf Milliarden Euro“

Er habe mit seinem Vorstoß zur Streichung eines Feiertages ein Bewusstsein dafür schaffen wollen, „dass wir wieder mehr arbeiten müssen in unserem Land“, entgegnete Bertram Brossardt. Unser Wohlstand stehe sonst auf der Kippe. Deutschland habe weltweit die kürzesten Arbeitszeiten. In anderen europäischen Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Italien arbeiteten die Beschäftigten 100 bis fast 400 Stunden mehr im Jahr. Wie wirksam schon ein zusätzlicher Arbeitstag für die Konjunktur sein könne, verdeutlichte Brossardt anhand einer Zahl: 0,3 Prozent Wirtschaftswachstums ergebe sich in diesem Jahr allein dadurch, dass drei Feiertage aufs Wochenende fallen. Die Streichung eines einzigen Feiertages könne das Bruttoinlandsprodukt um fast fünf Milliarden Euro steigern. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Staatseinnahmen könnten in Kinderbetreuung und Pflege von älteren Menschen gesteckt werden. „‚Einen Tag für deine Zukunft‘ – das ist unser Slogan“, sagte der vbw-Chef. Die acht zusätzlichen Arbeitsstunden im Jahr seien doch viel weniger als die eine Stunde Mehrarbeit pro Woche, die der Bayerische Ministerpräsident vorgeschlagen habe. Als zu streichenden arbeitsfreien Feiertag schlug Brossardt in der Runde nicht mehr wie im vergangenen Jahr den zweiten Oster-, Pfingst- oder Weihnachtsfeiertag vor, sondern Christi Himmelfahrt.

Herrmann: „Dieses Land ist von christlicher Tradition geprägt. Wir in Bayern halten daran fest!“

Der anwesende Vertreter der Staatsregierung, Joachim Herrmann, erteilte dem Vorschlag der Feiertagsstreichung an Ort und Stelle eine Absage, teilte allerdings die Einschätzung des vbw-Chefs, dass in Bayern und Deutschland mehr gearbeitet werden müsste. „Kirchliche Feiertage stehen unter besonderem Schutz“, sagte der Innenminister. „Ich halte das für richtig und wichtig. Das gehört seit Jahrhunderten zur Prägung unseres Landes. Auch wenn in den letzten Jahren manche aus den Kirchen ausgetreten sind, ist dieses Land von der christlichen Tradition geprägt. Wir in Bayern halten daran fest!“ Auch diejenigen Menschen, die nicht an Weihnachten oder Ostern in die Kirchen gingen, fänden diese besonderen Tage und den dadurch entstehenden Rhythmus im Jahreskalender wichtig, sagte Herrmann. Er glaube allerdings auch, dass sich die Gesellschaft mehr anstrengen müssten, um den Wohlstand zu halten. Wo Mehrarbeit nötig sei, müsse das zwischen den Tarifparteien ausgehandelt werden. Die Feiertage würde er dafür aber nicht in Frage stellen. Letzteres unterstrich der Innenminister auch mit einer Pressemeldung zur Veranstaltung.

Arbeiten die Deutschen zu wenig oder mehr denn je?

In der weiteren lebhaften Diskussion verwies Pfarrer Lysy unter anderem darauf, dass das Arbeitsvolumen in Deutschland nicht etwa geschrumpft sei, sondern im Gegenteil ein Rekordhoch erreicht habe. Die vergleichsweise niedrige Zahl der Arbeitsstunden pro Kopf werde durch eine hohe Teilzeitquote verursacht. Wegen der stark gestiegenen Erwerbsbeteiligung leisteten die Deutschen dennoch in den letzten Jahren „so viel Arbeit wie noch nie“.

Aus dem Publikum darauf angesprochen, ob sich die Position der CSU zum Sonn- und Feiertagsschutz angesichts des neuen Ladenschlussgesetzes, das viele Sonntagsöffnungen und auch Sonntagsarbeit ermögliche, nicht geändert habe, antwortete Staatsminister Herrmann: „Ich sehe da keine Welle auf uns zukommen. Die Diskussion um den Ladenschluss halte ich für überzogen. Die grundsätzliche Position der CSU und der Staatsregierung zu den Sonn- und Feiertagen hat sich überhaupt nicht geändert.“

Politik, Führungskräfte, Arbeitnehmende, Kirche, Wandel der Arbeitswelt, Pause, Spannungsfeld Arbeitszeit

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