Wenn man momentan in geselliger Runde zusammensitzt, dauert es nie lange, bis irgendwer seine Situation beklagt, alle einstimmen und bald eine allgemeine Untergangsstimmung herrscht. Ja, es ist unbestritten: Die politische Weltlage ist beängstigend und die Entlassungswelle in vielen Betrieben bedroht Familien existentiell. Wer davon persönlich betroffen ist, hat schwer zu kämpfen, um wieder auf die Füße zu kommen. Und selbst die, die Arbeit haben, hadern oft mit den Umständen und der sich verschlechternden Atmosphäre an ihren Arbeitsplätzen. Wer käme in so einer Situation auf die Idee, zu singen und Gott zu loben?
Im Mai jährte sich der Todestag von Paul Gerhard zum 350. Mal. Ob „Nun ruhen alle Wälder“ oder „Befiehl du deine Wege“: Seine Lieder sind bekannt, selbst unter denen, die selten in Gottesdienste gehen. Poetische Texte voll Zuversicht, eingängige Melodien – sie klingen so modern, dass man kaum darauf kommt, dass der Dichter während des 30jährigen Krieges lebte. Für seine Zeit war er eine ziemlich verkrachte Existenz. Früh Waise geworden, während des Studiums verlor er noch seinen Bruder, hatte später Jobs als Hauslehrer. Als er endlich Pfarrer wurde, war er schon 44. Seine Pfarrstelle verlor er mit 59 Jahren im Konfessionsstreit mit dem Kurfürsten. Im Jahr darauf starb seine Frau. Auch von seinen fünf Kindern wurde nur eines älter als zwei. Persönliches Leid, Krieg und Pest kannte er zur Genüge. Und trotzdem schrieb er Lieder, die ein Gottvertrauen, eine Zuversicht und eine Fröhlichkeit ausstrahlen, die man heute noch spürt.
„Paul Gerhardts Lieder reichen bis in die Tiefe des Leidens und öffnen dort ein Fenster zum Himmel“, sagt der Theologieprofessor Peter Zimmerling. Wo moderne Lobpreislieder manchmal im Oberflächlichen steckenbleiben, verschweigt Gerhard das Leiden nicht und kommt trotzdem immer zu seinem Lob des Schöpfers, dem er grenzenlos vertraut, und schenkt auf anrührende Weise Hoffnung.
Probieren Sie es doch mal wieder, egal ob selber singend oder nur mitsummend, wenn Chöre und Profis musizieren, ob das Herz, von dem Paul Gerhard so oft spricht, zur Ruhe kommt und Hoffnung tanken kann mit seinen alten und doch ganz aktuellen Liedern. Gott darfst Du vertrauen, egal wie mies es Dir gerade geht.
Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann.
Paul Gerhard, 1653, EG 361und GL 418
Dietlinde Peter, Verwaltungsleiterin kda Bayern
Foto: KI ChatGPT

