Was ist ein Freund? Aktuell ist es ja im Weltgeschehen so, dass zwischen „Freund sein“ und „Niemals ein Freund“ scheinbar nur Augenblicke oder eine Äußerung liegen. Dann ist die vorher laut ausgelobte Freundschaft offenbar schnell vergessen.
In der Arbeit, im Betrieb, da können Freundschaften entstehen. Auch Beziehungen entstehen immer wieder durch das Arbeitsleben, nachvollziehbar, verbringen wir doch etliches unserer Lebenszeit mit (und vor allem in der) Arbeit. Immer wieder hält so etwas, auch wenn man den Betrieb wechselt, über viele Jahre.
Im Sport wird gerne von den 11 Freunden gesprochen, und selbst wenn ich ein Fußballromantiker bin, ist es doch eher eine vertraglich geregelte Zweckgemeinschaft, wenn da 22 Beine einem Plastikball mehr oder minder erfolgreich hinterherlaufen.
Manchmal ist es aber auch einfach „nur“ der Zufall, der einem einen Freund oder eine Freundin schenkt, wenn es prächtig läuft, sogar einen „guten“ Freund. Im Buch Sirach, 6. Kapitel Vers 15 steht bezüglich eines Freundes ein für mich sehr wertvoller Satz:
Ein treuer Freund ist nicht mit Gold aufzuwiegen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.
Freundschaft entsteht oft durch Zufall, bedarf aber der Pflege, des Sich Kümmerns. Immer wieder werden Freundschaften auch auf die Probe gestellt: Veränderungen im jeweiligen Leben, Partnerschaften vielleicht, Familiengründung, Wegzug oder berufliche Veränderung und vieles mehr können Freundschaften auf die Probe stellen. Und vielleicht denkt man ja immer wieder mal an den Freund / die Freundin und vergisst dann doch den Anruf, die Mail oder die Nachricht….
Wissen Sie, warum ich darüber nachdenke? Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich wahrscheinlich mit meinem besten Freund in der Sonne sitzen, am Strand. So der Plan. 41 Jahre hat diese Freundschaft Bestand, mit Höhen und Tiefen – siehe oben. Und doch, mit jedem Lebensjahr mehr bekommt dieser Satz im Buch Sirach mehr und mehr Gewicht. „Sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen“. Wie wahr. Und wie wundervoll. Also tun Sie es. Nach dem Lesen. Melden Sie sich bei ihrem besten Freund, ihrer besten Freundin. Einfach nur so. Weil es nicht mit Gold aufzuwiegen ist.
In diesem Sinne – bleiben sie behütet. Und befreundet.
Diakon Ulrich Gottwald, kda Regionalstelle Augsburg
Foto: Cani che giocano in spiaggia_nino-p von Getty Images
