Gedanken am Brunnen – Sei wie eine Schale. Mittwochsandacht

Mit der Weihe des Klosters in Heilsbronn im Jahre 1136 wurde es den Zisterziensern übergeben. Dieser Orden war nach dem Ursprungskloster Citeaux im Burgund benannt worden und wuchs vor allem dank der Persönlichkeit des Abtes Bernhard von Clairvaux im 12. und 13. Jahrhundert zum bedeutendsten Mönchsorden. 1132 bis 1139 wurde die Klosterkirche in Heilsbronn als romanische Basilika errichtet, danach jedoch bald gotisch umgestaltet und erweitert.

Für den Orden typisch, wurde die Anlage in ein Tal gebaut. Sowohl vor der Kirche als auch in deren hinterem Bereich gibt es viele Quellen, deren Wasser sich bis zur Klostermühle zu dem Flüsschen Schwabach vereint. Der ehemalige Kreuzgang, nördlich der Kirche gelegen, ist seit 2011 unter freiem Himmel angelegt. Hier steht ein moderner Glasbrunnen mit drei Schalen, aus dem die Schwabach-Quelle sprudelt und über den Platz strömt. Dieser moderne Glasbrunnen soll an den ursprünglichen Brunnen erinnern. Sein Vorbild war der Dreischalenbrunnen der Zisterzienser der schon damals im Kreuzgang vor dem Refektorium stand.

„Wieso ein Brunnen mit drei Schalen?“, werden Sie vielleicht denken.

Die Zisterzienser, die begabte Brunnenbauer waren, hatten schon damals eine geniale Idee.
Sie nutzten die Kraft der Quelle und ließen diese zuerst in einem Rohr nach oben in die kleinste Schale sprudeln um die Trinkbecher mit sauberem Wasser zu füllen. Das überfließende Wasser aus der ersten Schale floss in die zweite größere Schale und wurde für die Körperpflege genutzt. Von dort ging das Wasser seinen Lauf in die dritte, die größte Schale, wo die Kleider gewaschen wurden, bevor sich das überfließende Wasser seinen natürlichen Lauf suchte.

Bernhard von Clairvaux sah in der Brunnengestaltung und -nutzung seines Ordens auch ein Bild für das Leben im Glauben. Im Umgang mit dem Wasser, das uns geschenkt ist, könnten wir sehen und erleben, wie fruchtbar es sein kann, wenn wir unsere Quellen miteinander teilen. Daher: Sei wie eine Schale, die gleichzeitig empfängt und weitergibt.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht

(Ps. 36)

Wir sind Geschöpfe Gottes. Gott hat uns das Leben gegeben. Wir sind lebendig, weil er uns Zeit zum Leben und zum Leben Zeit gibt. Auch der heutige Tag ist ein Geschenk, ein Lebens-Geschenk.

Diakon Thomas Ruthenberg, Kirchlicher Dienst im Gastgewerbe im kda Bayern

Foto: Copyright ©Ralf Hanisch

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