„Was wäre die Ökonomie, wenn darin nicht dem immer neuen Produzieren das aufmerksame Verstehen dessen entgegenträte, worin wir (immer schon) mit Gott in seiner Güte kooperieren – entgegen dem Anschein, alles selbst hervorzubringen. In einer solchen Ökonomie ist die ethische Reflexion nicht auf die Verteilungsprobleme reduziert, sondern sie hat zu zeigen, wie Menschen in der Aufmerksamkeit auf die guten Gaben Gottes und sein Wirken ihre Arbeit tun.“
Diese Zeilen stammen von meinem Lehrer Professor Hans G. Ulrich, der in diesen Tagen unerwartet verstorben ist. Im Januar erst hatte er noch bei einer Tagung in den Räumen des kda Bayern aus aktuellem Anlass zum Thema „Stell dir vor, es ist Krieg…“ gesprochen.
Hans war ein steter Wegbegleiter unserer Arbeit im kda Bayern. Insbesondere sein langjähriges Mitwirken als theologischer Impulsgeber und Moderator im Arbeitsweltpraktikum machte aus diesem Ausbildungsmodul ein theologisch-ethisches Kleinod, in dem viele angehende Pfarrerinnen und Pfarrern wertvolle Einsichten für Ihr Berufsleben mitgenommen haben.
„Gottes Güte first“ – so würde man heutzutage vielleicht etwas flapsig sagen – war eine wesentliche Pointe dessen, was er mir in mein Berufsleben mitgegeben hat. Es macht nämlich einen gewaltigen Unterschied, ob man die guten Gaben Gottes, mit denen man so gesegnet ist, Tag für Tag in den Blick bekommt oder nicht, so wie das Volk Israel das täglich vom Himmel fallende Manna in der Wüste.
Es lehrt einen beten in den Worten Martin Luthers, den Hans oft und gerne zitierte:
„Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht gnädiglich behütet hast…“
Und es lehrt einen, Ökonomie als etwas zu begreifen, in dem es zuvorderst darum gehen müsste, die guten Gaben Gottes, die man selbst empfangen hat, mit anderen zu teilen, aus einem Vertrauen, das Gott schon sorgt. Denn „Gott liebt einen fröhlichen Geber“ (1. Korinther 9,7). Fröhlich, weil die abgründige Sorge um das eigene Leben das Herz nicht mehr gefangen nimmt.
Wo das geschieht, weicht die Armut und Frieden wird möglich. Gottes Herrschaft bricht an und das Osterlicht dringt durch die Ritzen dieser dunklen Welt.
Pfarrer Peter Lysy, Leiter kda Bayern
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