Gehören wir selbst inzwischen einer ICH-AG an, in der unser Individualismus öfters über das Gemeinwohl gestellt wird?
Verantwortung für andere oder gar für unseren Staat zu übernehmen gehört immer weniger zu den persönlichen Zielen im Leben vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landes. Der christliche Glaube lädt uns aber dazu ein, anders zu denken und zu handeln, dem aktiv entgegen zu wirken, sei es beispielsweise im aktiven, ehrenamtlichen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei den Hilfs- und Rettungsdiensten, in der Hospizarbeit, beim Naturschutz oder in der Willensbildung in einer demokratischen Partei. Eine gute Gelegenheit, ebenfalls ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen, bietet auch der Dienst und das Engagement in und für die Soziale Selbstverwaltung.
Bei den Sozialwahlen entscheiden die Versicherten die Zusammensetzung der jeweiligen Entscheidungsgremien. Auch zwischen den Sozialwahlen kann man sich etwa als Versichertenberaterinnen und Versicherungsberater eines Trägers der Rentenversicherung über die jeweilig dort vertretenen Arbeitnehmerorganisationen berufen lassen.
Seit Jahren engagiere ich mich selbst ehrenamtlich als Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung. Oft erlebe ich in meinen Beratungsgesprächen, dass jeder Mensch, dem ich dabei begegne, seine Geschichte hat, die es wert ist, gehört zu werden. Dabei spüre ich deutlich, dass jeder Mensch ein Grundbedürfnis nach Liebe, Verständnis und Unterstützung hat. In der Mitarbeit in der Sozialen Selbstverwaltung besteht daher die Möglichkeit, aktiv die Liebe Christi in das eigene soziale Handeln sowie in die eigenen Entscheidungen einfließen zu lassen. Wir können dort direkt wirken und somit den Menschen dienen.
Unser Glaube ermutigt uns, auch über uns selbst hinauszudenken und aktiv nach neuen Wegen zu suchen, wie wir bestmöglich und verantwortungsvoll anderen helfen können. Lassen wir uns inspirieren, uns aktiv mit anderen und für andere auseinanderzusetzen und die Verantwortung für unser Sozialsystem und unseren Staat anzunehmen.
Die ehrenamtliche Mitarbeit in Selbstverwaltungsgremien der Rentenversicherungen, der Krankenkassen, der Berufsgenossenschaften oder auch als ehrenamtliche Richter und Richterinnen in der Sozial- und Arbeitsgerichtsbarkeit bieten dabei eine gute Gelegenheit, sich für unseren für einzelne Menschen und für unser Gemeinwohl einzusetzen.
Durch unser persönliches Handeln und unsere Haltungen können wir die Liebe Gottes und unseren Glauben auch anderen sichtbar werden lassen, sei es bei der Mitarbeit in Hilfsorganisationen oder in den Gremien der Sozialen Selbstverwaltung, am Arbeitsplatz, in unseren Familien oder in unseren Nachbarschaften. Wenn wir auch unsere eigenen sozialen Beziehungen und unser Tun unter dem Licht des Glaubens betrachten, erkennen wir, dass wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Mitmenschen leben.
Der Dienst an anderen ist nicht nur eine Pflicht, sondern ein Ausdruck unserer Dankbarkeit für das, was Gott in unserem Leben für uns selbst getan hat. Unser Einsatz bleibt nicht unbemerkt. Auch die kleinen Dinge, die wir tun, können große Auswirkungen haben. Gott wird unsere Mühen sehen und sie segnen. Gehen wir hinaus und seien wir durch unser Handeln das Licht und Salz in dieser Welt! Stärken wir uns gegenseitig, Verantwortung zu übernehmen, so können wir durch unser eigenes und gemeinsames Wirken auch dabei aktiv die gegenwärtige Liebe Christi verkünden. Der Glaube beflügelt uns, mit aufrichtigem Herzen für das Gemeinwohl zu handeln.
Die Worte des Paulus im Brief an Galater Kapitel 6,9 ermutigen uns:
„Lasst uns nicht müde werden, Gutes zu tun!“
Jürgen Hopf, Projekt Soziale Selbstverwaltung
Bild: Peter Bongard, fundus-medien.de




