Adelbert Demar gründete 2006 gemeinsam mit Rigobert Zehner die IFSYS GmbH – ein Unternehmen, das sich auf individuelle Zuführtechnik zur Prozessautomatisierung spezialisiert hat. 2024 übergab Demar die Geschäftsführung an seinen Sohn, bleibt aber weiterhin aktiv in der Entwicklung innovativer Anwendungen wie der optischen Sortierung von Haselnüssen und künftig vielleicht auch von Kichererbsen und Bohnen.
Konkret gefragt: Adelbert Demar, Gründer der IFSYS GmbH
Wie sieht Ihr Weg als Unternehmensgründer aus?
Ich bin ausgebildeter Elektromeister und war in verschiedenen Unternehmen, unter anderem als Abteilungsleiter in der Großindustrie, tätig. In dieser Zeit programmierte ich Software und wirkte an der Entwicklung neuer Technologien mit. Zuletzt arbeitete ich in einem eigentümergeführten Unternehmen in der Region, das vor allem die Automobilbranche belieferte.
Dort herrschte noch eine von persönlicher Wertschätzung geprägte Unternehmenskultur. Der Firmenchef begrüßte die Mitarbeitenden beispielsweise mit einem Handschlag. Mit dem Verkauf des Unternehmens an einen Investor im Jahr 2005 ging diese Unternehmenskultur verloren.
Wie kam es 2006 zur Gründung von IFSYS?
Nachdem der Investor den bisherigen Betrieb nach Thüringen verlagert hatte, um dort Bundesförderungen in Anspruch zu nehmen, entstand eine große Unruhe in der Belegschaft. Viele qualifizierte Fachkräfte suchten schnell neue Wege. Für meinen Kollegen und heutigen Geschäftspartner Rigobert Zehner und mich stand früh fest, dass wir unsere Arbeit in Großbardorf fortsetzen wollten. Wir kannten unser eigenes Know-how ebenso wie das unserer Kolleginnen und Kollegen insbesondere in den Bereichen Prozesssteuerung und Vertrieb und beschlossen, diesen Erfahrungsschatz einzusetzen.
Der Start erfolgte 2006 auf lediglich 54 Quadratmetern, gewissermaßen in einer „Garage“. Viele frühere Kolleginnen und Kollegen, die zunächst mit nach Thüringen gegangen waren, kamen in unser Team. Bereits 2008 zählte unser Team rund 60 Beschäftigte und wir bezogen eine neue Produktionshalle.
Seit 2010 ist die JOPP Unternehmensgruppe als regionaler Familiengesellschafter beteiligt, was uns zusätzliche Stabilität verschafft und hilft, auch Krisenzeiten erfolgreich zu bewältigen.
Wie kamen Sie auf die Idee mit den Haselnüssen?
Wir sind regional stark vernetzt und beziehen unsere Wärmeenergie aus einem örtlichen Biogas-Nahwärmenetz. Dadurch bestehen enge Kontakte zu landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung. Eine Gemeinschaft engagierter Landwirte in Großbardorf hat eine Genossenschaft gegründet und rund 9 Hektar mit etwa 3.000 Haselnusssträuchern bepflanzt. Ziel war es, in dieser trockenen Region zusätzliche Einkommensquellen neben dem traditionellen Getreideanbau zu erschließen.
Nach fünf Jahren konnten erstmals nennenswerte Erträge geerntet werden – rund 50 Kilogramm Haselnüsse, die jedoch vollständig von Hand sortiert werden mussten. Dieser Prozess ist sehr aufwändig, fehleranfällig und erschwert eine wirtschaftlich tragfähige Vermarktung. Zwar existieren maschinelle Sortierverfahren, diese sind jedoch auf einfache Kriterien beschränkt und nicht für die speziellen Anforderungen geeignet.
Die Schnittstelle zu IFSYS entstand durch ein Mitglied der Haselnuss-Genossenschaft, das zugleich Mitarbeiter unseres Unternehmens ist. Er brachte die Idee einer automatisierten Sortierlösung ein. Als wir 2019 erstmals darüber nachdachten, schien der Einsatz von KI noch zu aufwändig und zu kostenintensiv. Doch die konkrete Problemstellung, insbesondere die Erkennung von halben Nüssen und die Sortierung nach Qualitätskriterien, machte schnell deutlich, dass ohne künstliche Intelligenz keine zuverlässige Lösung zu entwickeln war.
Was hat Sie bewegt, die Sortiermaschine doch zu entwickeln?
2019 zeichnete sich die Transformation in der Automobilindustrie deutlich ab: Mit der Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektromobilität brachen uns erste Aufträge weg. 2020 verschärfte die Corona-Pandemie die Situation zusätzlich. Ich habe diese Entwicklung als Chance gesehen, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen.
Gemeinsam mit dem Start-up prognostica aus Würzburg begannen wir, eine Sortiermaschine für Haselnüsse zu entwickeln. Dabei werden im freien Fall 13 Nüsse pro Sekunde mithilfe einer Spiegeltechnik von vier Seiten betrachtet und anschließend per KI-gestützter Bildverarbeitung in fünf Qualitätskategorien eingeteilt. Die künstliche Intelligenz wurde dafür mit Beispielfotos trainiert.
Inzwischen hat die Maschine Serienreife erreicht und wird von der Haselnuss-Genossenschaft erfolgreich eingesetzt. Parallel dazu testen wir erste Anwendungen mit Lupinen, Bohnen und Kichererbsen. Der Markt für diese Technologie ist vorhanden und wir sind überzeugt, dass dies erst der Anfang ist.
Wie beurteilen Sie die Rolle von KI für Ihr Unternehmen und seine Mitarbeitenden?
Unser Team ist vergleichsweise jung – das Durchschnittsalter liegt zwischen 30 und 40 Jahren – und zeichnet sich durch eine hohe Technikaffinität sowie Offenheit für neue Entwicklungen aus. Künstliche Intelligenz ist heute bereits fester Bestandteil vieler Anwendungen, etwa in der Kameratechnik und Bildverarbeitung. Auch intern entwickeln Mitarbeitende Programme zur Optimierung betrieblicher Abläufe, und in der Produktion kommt zunehmend KI-gestützte Robotik zum Einsatz.
Die Möglichkeiten sind beeindruckend und eröffnen uns neue Perspektiven. Unser Ziel ist es, weiterhin an der Spitze technologischer Entwicklungen zu stehen.
Denn eines ist klar: Wenn wir KI nicht nutzen, werden es andere tun!
Fotos: IFSYS GmbH
Interview: Hanna Kaltenhäuser, wissenschaftliche Referentin, kda Bayern
