Interview: Alexandra Kohle, Projektleiterin für digitale Professionalisierung

Digitalisierung und KI verändern Arbeitsplätze und Lebenswelten. Wir haben Menschen in verschiedenen Branchen und Berufen befragt, wie diese Entwicklung ihr berufliches Umfeld beeinflusst: Alexandra Kohle ist Projektleiterin für digitale Professionalisierung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Bayern (EEB Bayern). Sie begleitet und berät bei der Digitalisierung der Bildungsarbeit.

Konkret gefragt: Alexandra Kohle, Projektleiterin für digitale Professionalisierung

Was sind die die Aufgaben einer „Projektleiterin für digitale Professionalisierung in der Erwachsenenbildung“?

Ich überlege, welches Wissen meine Zielgruppen benötigen, welche digitalen Tools sich für bestimmte Anwendungsfälle eignen und wie man diese gut vermitteln kann. Zudem berate ich Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel den kda Bayern, zu digitalen Themen. Das reicht von konkreten Software-Fragen – etwa zum Tool Evangelische Termine – bis hin zu Veränderungen durch gesetzliche Vorgaben wie das BFSG oder den AI Act. Aktuell entwickle ich gemeinsam mit einer Juristin eine Handreichung zum Thema Künstliche Intelligenz, inklusive Musterverträgen, Handlungsempfehlungen und Tool-Vorschlägen für kirchliche Bildungseinrichtungen.

Hat sich Ihre Arbeit durch KI verändert?

Definitiv. Mein Job besteht darin, Menschen und Einrichtungen in der digitalen Transformation zu begleiten. Da sich der Digitalbereich ohnehin sehr dynamisch entwickelt, verändert sich meine Arbeit ständig. Seit der breiten Verfügbarkeit von KI hat sich das Tempo aber noch einmal deutlich erhöht.

Wie kommen Sie als Digital Native mit der Digitalisierung des Alltags zurecht?

Mein erstes Handy hatte ich in der 5. Klasse. Damals wurde man einfach ins kalte Wasser geworfen. Es gab keine Anleitung von Lehrkräften oder Eltern, höchstens Tipps von Gleichaltrigen. In gewisser Weise erleben Kinder und Jugendliche heute Ähnliches im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Ich habe früh gelernt, Dinge selbst auszuprobieren und keine Scheu vor Technik zu haben – diese Offenheit prägt mich bis heute.

Gleichzeitig gehe ich bewusst mit digitalen Medien um: Ich registriere mich nur dort, wo es unbedingt nötig ist, und achte darauf, möglichst wenige Daten zu hinterlassen. Digitalisierung bedeutet für mich nicht nur Neugier und Möglichkeiten, sondern auch Verantwortung im Umgang mit Daten.

Was heißt „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ konkret für Teilnehmende und Anbieter?

Viele Veranstaltungen haben inzwischen zumindest einen digitalen Anteil. Das macht Erwachsenenbildung oft günstiger: Digitale Räume sind kostengünstig, Referierende verlangen häufig weniger Honorar, und es entfallen Reisezeiten und -kosten. Teilnehmende können einfach von überall aus dazukommen. Auch die Technik funktioniert inzwischen zuverlässiger. Das erleichtert die Teilhabe und eröffnet neue Zugänge.

Gleichzeitig beobachten viele Bildungseinrichtungen, dass die Verbindlichkeit bei digitalen (und besonders bei kostenlosen) Veranstaltungen sinkt. Die sogenannte No-Show-Rate ist hoch: Viele melden sich an, erscheinen dann aber nicht – oft ohne Abmeldung. Deshalb erheben viele Einrichtungen inzwischen auch bei kostenfrei konzipierten Veranstaltungen kleine Teilnahmegebühren, nicht aus finanziellen Gründen, sondern um die Wertschätzung und Verbindlichkeit zu steigern. Leider können dadurch aber auch wieder Menschen ausgeschlossen werden.

Kurz gesagt: Digitalisierung ermöglicht eine flexiblere und niedrigschwelligere Teilnahme – stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen in der Planung und Ansprache.

Haben Sie Tipps, wo wir uns Hilfe holen können?

Ja, es gibt viele Angebote für unterschiedliche Alters- und Berufsgruppen. Gerade viele ältere Frauen unterschätzen häufig ihre digitalen Fähigkeiten. In der ELKB gibt es aktuell rund 30 sogenannte Digital-Lotsinnen. Außerdem finden Sie auf dem Netzwerk Digital eine filterbare Liste mit Ansprechpersonen, die gezielt bei digitalen Fragen weiterhelfen.

Sehr empfehlenswert sind auch die Selbstlernkurse auf https://difue.de. Dort gibt es einen persönlichen Einstufungstest, der hilft, das passende Lernniveau zu finden. Einen Überblick über kirchliche Veranstaltungen rund um digitale Themen bietet ebenfalls das Netzwerk Digital.

Foto: canva.com + privat

Interview: Hanna Kaltenhäuser, wissenschaftliche Referentin, kda Bayern

Digitalisierung, Bildung

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