Interview: Klaus Ploth, Geschäftsführer der Evangelischen Medienzentrale Bayern (EMZ)

Digitalisierung und KI verändern Arbeitsplätze und Lebenswelten. Wir haben Menschen in verschiedenen Branchen und Berufen befragt, wie diese Entwicklung ihr berufliches Umfeld beeinflusst: Klaus Ploth ist Medienpädagoge und Leiter der Evangelischen Medienzentrale Bayern. Von der 16mm Filmrolle im Koffer zur digitalen Medienplattform hat sich die Einrichtung in den letzten 30 Jahren gewandelt.

Konkret gefragt: Klaus Ploth, Geschäftsführer EMZ

Wie hat sich die Arbeit bzw. das Angebot der EMZ in den letzten 30 Jahren verändert?

Wir haben große Umbrüche erlebt. Früher gab es 16mm-Filme und Projektoren. Ein Spielfilm war auf zwei bis drei Rollen verteilt. In der Pause mussten die Rollen gewechselt werden. Diese wurden in großen schwarzen Koffern transportiert. Als die VHS-Videocassette eingeführt wurde, war man skeptisch, ob sich diese durchsetzen würde. Doch kurze Zeit später waren die Filmrollen Geschichte. Heute ist alles digital, und auf eine kleine Festplatte passen über 1.000 Filme. Die Website der Medienzentralen sieht mittlerweile aus wie eine Mediathek. Sie ist eine Plattform im Internet für das Ansehen und Herunterladen von Filmen und Begleitmaterial für den pädagogischen Einsatz.

Seit wann gibt es den deutschlandweiten Verbund der Medienzentralen?

Im Jahr 2003 haben wir erste Versuche gestartet, Filme über das Internet zu verbreiten. Wir haben mit Filmanbietern gesprochen und eine entsprechende Plattform programmieren lassen. Das hat viel Zeit und Geld gekostet, und es hat einige Jahre gedauert, bis wir andere Medienzentralen überzeugen konnten, mitzumachen. Da gab es große Vorbehalte, wie die Angst: „Wir machen den Verleih und damit uns selbst überflüssig.“

Ganz so extrem ist es nicht gekommen, denn der technische Fortschritt hat auch neue Aufgaben mit sich gebracht. Heute sind alle evangelischen und katholischen Medienzentralen mit dabei, und die Mitarbeitenden haben alle Hände voll zu tun, aus einer Flut von Medien die passenden Filme herauszupicken. Völlig neu entstanden ist auch das weite Feld der Medienpädagogik.

Wie hat sich das Verhalten der Nutzer*innen verändert?

Die jungen Nutzer*innen haben das Internetangebot zuerst angenommen. Wann immer es technische Neuerungen auf der Plattform gibt, bieten wir Online-Einführungen und Video-Tutorials an. In Bayern nutzen etwa 4.600 haupt- und ehrenamtliche Menschen das Angebot. Für den Kindergottesdienst, den Religionsunterricht, die Jugendarbeit und für Filmnachmittage und -abende in der Gemeinde. Derzeit ist der beliebteste Film „Konklave“. Der kam heraus, kurz bevor Papst Franziskus gestorben ist. Früher musste übrigens jede Pfarrerin und jeder Pfarrer während der Ausbildung einen Filmvorführschein machen – das geht heute digital viel einfacher.

Foto: kda Bayern

Interview: Hanna Kaltenhäuser, wissenschaftliche Referentin, kda Bayern 

Digitalisierung, Bildung

Meldungsarchiv

Vorheriger Beitrag
„Meine letzte Würde wollte ich nicht abgeben“ – Jürgen Schneider, Träger des Bundesverdienstkreuzes, ehemals wohnungslos
Nächster Beitrag
Interview: Alexandra Kohle, Projektleiterin für digitale Professionalisierung

Ähnliche Beiträge