Digitalisierung und KI verändern Arbeitsplätze und Lebenswelten. Wir haben Menschen in verschiedenen Branchen und Berufen befragt, wie diese Entwicklung ihr berufliches Umfeld beeinflusst: Der Business Development Manager Markus Müller und seine rund 30 Kolleg*innen gestalten die digitale Transformation der Firma Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG. Im Tochterunternehmen „Kurz digital“ entwickeln sie digitale Anwendungen und Services – unter anderem eine firmeninterne KI, die „Kurz GPT“.
Konkret gefragt: Markus Müller, Business Development Manager
Wie sind Sie „Business Development Manager“ geworden?
Welche Ausbildung haben Sie?
Ich habe an einer technischen Hochschule Betriebswirtschaft & International Business studiert. Beruflich bin ich in der Automobilindustrie gestartet, weil ich etwas mit Technik machen wollte. Ich bin schon mit 8 Jahren mit einem Audi 80 Poster über dem Bett aufgewacht. Zuerst bin ich in der Elektronik-Entwicklung gestartet. Wir haben für Audi und VW Infotainment Systeme entwickelt. Ich habe mir vieles autodidaktisch angeeignet. Über die Vorentwicklung bin ich in die Serien-Entwicklung gekommen und von der Systementwicklung in die Softwareentwicklung gewechselt. Später bin ich dann von der Entwicklung in die Bereiche Qualität und Produktion gewechselt.
In diesen 12 Jahren Automobilindustrie habe ich sehr viele Kontakte geknüpft und war viel bei Kunden unterwegs, so dass sich meine Rollen vom technischen Projektleiter hin zum Sales- und Business Development Manager gewandelt haben.
Mir macht es einfach Spaß, mit Menschen zu kommunizieren und neue Bereiche und Themen von Anfang an aufzubauen und mitzugestalten.
Warum sind sie nach der Automobilindustrie bei KURZ Digital gelandet?
Ich fand das Aufgabenfeld hier sehr spannend. Ich komme aus der Software und Systementwicklung, bin danach in die Qualitätsoptimierung in der Produktion gewechselt. Hier bei KURZ Digital kann ich die Kenntnisse aus beiden Bereichen kombinieren, weil wir KI und Software auch dafür einsetzen, um Produktion und Qualität zu optimieren.
Welche Berufe sind im Büro noch versammelt?
Wir sind drei Business Developer mit jeweils eigenem Themenbereich. Es gibt noch Projektleiter und viele Entwickler, die tief in den jeweiligen Themen und Projekten drin sind. Da gibt es etwa Spezialisten für künstliche Intelligenz, die sich mit KI, Algorithmen für maschinelles Lernen und Large-Language-Models beschäftigen, oder Data Scientists, die verborgene Zusammenhänge in den Daten aufspüren, Backend-Entwickler, Frontend-Entwickler sowie IOS- und Android- Entwickler, die entsprechende Apps entwickeln.
Wie sieht für Sie und Ihre Kolleg*innen der Arbeitsalltag aus?
Jeder von uns hat unterschiedliche Aufgaben und Projekte, an denen gearbeitet wird. Wir können vor Ort im Office arbeiten, haben aber auch die Möglichkeit, mobil zu arbeiten.
Es gibt Kollegen, die gehen jeden Tag ins Büro. Andere wechseln zwischen Büro und Zuhause. Wir arbeiten viel hybrid und haben eine Netflix-Kultur: Jeder weiß, was er zu tun hat und was seine Aufgaben sind. Entscheidend ist, dass das Arbeitsergebnis stimmt. Ich bin viel unterwegs auf Messen oder beim Kunden vor Ort und kann meine Zeit selbst organisieren.
KURZ Digital Solutions macht Workshops für Unternehmen, was die Anwendung von Software oder KI betrifft. Wie läuft sowas ab?
In der Regel haben Kunden Probleme wie zum Beispiel: Expertenwissen soll digitalisiert werden oder es gibt Qualitäts- oder Effizienzprobleme. Oft wünschen sich Unternehmen eine KI-Lösung, wissen aber nicht, ob es so umsetzbar ist, wie sie sich das vorstellen. In einem Workshop mit den zuständigen Abteilungen und Mitarbeitenden lassen wir uns Probleme und Herausforderungen beschreiben und suchen gemeinsam nach Lösungen. Da geht es zum Beispiel um Schnittstellen und Datenverfügbarkeit, betroffene Ansprechpartner und um die Frage, warum sich der Kunde eine Software- oder KI-Lösung vorstellt. Denn nicht überall ist KI auch sinnvoll einsetzbar.
Mir hilft dabei mein Software- und Systemverständnis sowie das Verständnis der Kundensicht, weil ich mich in meinem Berufsleben viel mit Qualität in der Produktion in verschiedenen Unternehmen beschäftigt habe.
Hat KI die Arbeit von Ihnen und Ihren Kollegen verändert?
KI ist für mich der Treiber der vierten industriellen Revolution: von der Agrarwirtschaft zur Dampfmaschine und Fließbandproduktion über den Einsatz von Elektronik und IT zur Vernetzung der Produktion und Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Wir programmieren teilweise auch KI mit KI, was vieles leichter macht, Zeit spart und die Effizienz erhöht. Ich google auch nicht mehr, sondern frage die KI direkt nach dem Ergebnis. Diese Möglichkeiten der KI machen wir auch für die Produktion unserer Kunden nutzbar, lösen damit Qualitätsprobleme. Denn KI kann unterstützen, Fehler zu minimieren.
KI-Lösungen machen Wissen transparent und konservierbar: Das Wissen ist im Kopf von einem Experten, aber wenn der Experte mal krank ist oder in Rente geht, müssen andere Kollegen darauf zurückgreifen können. Dieses Problem lösen wir mit künstlicher Intelligenz.
Es gibt eine eigene generative KI für die Firma LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG, genannt KURZ-GPT. Wofür ist die gut? Was passiert da?
Aufgrund interner Hochsicherheitsanforderungen müssen sensible Unternehmensdaten intern bleiben, so dass Anwendungen wie Chat GPT nur bedingt genutzt werden können. Zudem soll internes Wissen maßgeschneidert zur Verfügung stehen. Hierfür haben wir KURZ GPT für unsere Konzern-Mutter LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG entwickelt.
Das muss man sich vorstellen wie einen digitalen Assistenten, dem man Fragen mit Unternehmensbezug stellt und der dann die relevanten Antworten liefert. Die Mitarbeitenden in der Produktion, im Einkauf oder in der Rechtsabteilung nutzen KURZ GPT, um sich Antworten generieren zu lassen.
Zum Beispiel in der Produktion: „Wie muss ich mit geöffneten Farben oder einer bestimmten Folie umgehen?“ Früher hatte man Arbeitsanweisungen, die zum Teil an der Maschine hängen. Da war oft die Frage: „Wo finde ich das genau? Verstehe ich überhaupt, was da steht?“ Jetzt kann ich in der internen KURZ GPT fragen: Wie muss die Maschine gewartet werden? Und auf diese Frage bekomme ich die maßgeschneiderte Antwort.
Der jeweilige Mitarbeiter hat damit seinen persönlichen digitalen Assistenten immer dabei wie einen Mentor, einen Ausbilder.
Wie schätzen Sie KI als Technologie ein?
Ich sehe KI eher als Chance. Wir können die technologische Entwicklung sowieso nicht aufhalten. In einer Region wie Europa, einem Land wie Deutschland wird KI die Arbeitswelt verändern. Wir können daraus Vorteile ziehen oder uns zurückziehen und weinen. Aber ich sehe einfach die Vorteile. Die Berufe und die Arbeit werden sich verändern. Aber ich glaube nicht, dass KI jemandem den Job wegnimmt. KI ist eine Chance, um in Deutschland effizienter zu arbeiten. Wir können mit unseren Preisen und Lohnkosten nicht mit Südostasien konkurrieren, sondern nur technologisch ganz oben mitspielen und innovativ sein. Und da ist KI ein wichtiger Baustein.
Fotos: LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG, Collage über kda Bayern
Interview: Hanna Kaltenhäuser, wissenschaftliche Referentin, kda Bayern




