NÜRNBERG. Wie kann ehrenamtliche Arbeitnehmerarbeit im Jahr 2026 aussehen? Dazu diskutierten 33 Delegierte und Gäste Ende April bei der zweitägigen Vollversammlung der „Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ (afa) im Berufsförderungswerk Nürnberg.
Wie sind eine zeitgemäße Arbeitnehmer-Arbeit und ein wirksames Engagement für soziale Gerechtigkeit machbar in Zeiten massiver Kürzungen und älter (sowie weniger) werdender Engagierter? Welche Aufgaben kann die afa weiterführen – in welcher Form und in welchen Netzwerken? Was muss zukünftig wegfallen?
Der afa-Landesvorsitzende Bernhard Dausend und afa-Landespfarrer Bernhard Nikitka eröffneten eine afa-Vollversammlung 2026, die sich diesen zukunftsweisenden Fragen widmete. Sie stand unter dem passenden Titel der Jahreslosung 2025: „Prüft alles und behaltet das Gute.“ (1. Thess. 5,21)
Integrativ und vernetzt
In lebendigen Vorträgen über die aktuelle Entwicklung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, zeigten kda-Leiter Peter Lysy und afa-Geschäftsführer Klaus Hubert anschaulich: Die evangelische Arbeitnehmerarbeit von afa und kda Bayern war quasi als Pioniere im Bereich integrativer Arbeit vor Ort tätig.
Sei es der Einsatz interdisziplinärer Teams, die Vernetzung im Sozialraum oder das ökumenische Miteinander: Viele heute innerhalb der Kirche im Rahmen von Umstrukturierungs-Prozessen diskutierte Maßnahmen seien von jeher Bestandteile der Arbeit von afa und kda Bayern gewesen.

Schwierige Rahmenbedingungen
Zugleich machte Hubert, der in Personalunion als kda-Arbeitsseelsorger in der Region Schweinfurt tätig ist, deutlich, dass sich die Bedingungen massiv verändert hätten. Ein einfaches „Weiter so“ sei für die afa nicht möglich. Dazu fehle es an finanziellen und personellen Ressourcen wie auch an tragfähiger Unterstützung durch die bayerische Landeskirche.
Welches beeindruckende Engagement auch mit weniger und älter werdenden ehrenamtlich Engagierten dennoch möglich ist, zeigten die Berichte einzelner afa-Delegierter aus ganz Bayern.
Kirche und Betriebe zusammenbringen
Der afa-Landesvorsitzende Bernhard Dausend aus Neuburg an der Donau berichtete von Betriebsbesuchen der afa-Gruppen in der örtlichen Industrie.
Hans Jürgen Lorke aus dem Kirchenkreis Bayreuth ergänzte, wie massiv die Industriebetriebe in ganz Oberfranken im Umbruch seien. Die Engagierten der afa sind hier regelmäßig vor Ort und stellen auch Kontakte zwischen Kirche und Wirtschaft her. Wigbert Baumann war in Würzburg u.a. bei der „Nacht der Kirchen“ mit der Bauwagenkirche vor Ort und lobte die dortige ökumenische Zusammenarbeit.
Geistliche Impulse rund um die Arbeitswelt
Franz Ott aus Schlüsselfeld machte in seinem Bericht anschaulich, wie die afa christliche Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement zusammenbringt, zum Beispiel bei Andachten am Lagerfeuer oder bei Betriebsbesichtigungen mit geistlichen Impulsen rund um das Thema Arbeit.
„Von wegen Kaffeekränzchen …“
Das konnte Betty Wagner aus Bayreuth unterstreichen. Ihre beliebten afa-Studienfahrten wie auch die afa-Treffen mit bis zu 25 Teilnehmenden seien „sehr viel mehr als nur Geselligkeit und Kaffeeklatsch“. Regelmäßig würden bundes- und weltpolitische Themen diskutiert – auf Augenhöhe und im respektvollen Umgang.

Als evangelische Vertreter*innen in Netzwerken dabei
Der in der afa engagierte Pfarrer Reinhard Caesperlein sowie die Ehrenamtliche Annette Schick aus Augsburg berichteten von der lebendigen Seminar-Arbeit in Augsburg und Umgebung. Auch Netzwerkarbeit sei ein wichtiges Standbein für die engagierten afa-Mitglieder in der Region. Dazu gehört das Engagement für die Agenda 21 oder bei der Armutskonferenz.
Ehrenamtliche bis ins Richteramt
Zum Abschluss der Runde berichtete Bernhard Dausend, der auch das Engagement der evangelischen Arbeitnehmerarbeit auf Landes- und Bundesebene in der sozialen Selbstverwaltung koordiniert, von positiven Entwicklungen. Dazu gehören im ökumenischen Miteinander die Besetzung in Bei- und Verwaltungsräten in den gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherungen, sowie in der Sozial- und Arbeitsgerichtsbarkeit, auch auf Bundesebene. Sein Fazit:
„Wir sind weniger, aber wir erreichen noch unglaublich viel. Und dass wir älteren Semesters sind, ist oft auch ein Vorteil, denn wir haben viel Erfahrung und geben nicht so schnell auf.“
Engagement, das wirkt
Die mutmachende Erfahrung, welch umfangreiches wirksames Engagement mit sehr kleinen Teams noch möglich ist, setzte sich in der Weiterarbeit bis einschließlich Sonntag, fort. Die afa gehört nach wie vor zu den, seit 20 Jahren aktiven Trägern, der Allianz für den freien Sonntag, regional, landes- und bundesweit. In vielen weiteren kirchlichen, ökumenischen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken und Verbänden setzt sich die afa ein, den Menschen eine Stimme zu geben, die ihre Stimme nicht selbst erheben können.
Die anwaltschaftlichen Anträge und Petitionen zum Erhalt bzw. der notwendigen Weiterentwicklung der Sozialstaatlichkeit und einer menschenfreundlichen Gesellschaft am Sonntag unterstrichen eindrucksvoll, was Klaus Hubert bilanzierte:
„Was die afa ausmacht, ist, wie wir in die Gesellschaft wirken. Wir sind für den Außenauftritt vielleicht nicht immer „sexy“ genug, aber wir erreichen mit wenigen hoch-engagierten Menschen viele Leute und geben der evangelischen Kirche im Arbeitsleben ein glaubwürdiges und solidarisches Gesicht.“
Mit Segen gestärkt
Der bisherige afa-Landesvorstand wird die nächsten 2 Jahre weiterwirken. Verabschiedet wurde Landespfarrer Bernhard Nikitka (Eckersmühlen bei Roth), der in den letzten 4 Jahren maßgeblich geistlicher Begleiter der afa war. Als Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter, Pfarrer i.R. Reinhold König, Kronach berufen. In einem feierlichen (und anrührenden) Gottesdienst mit Abendmahl wurde die Weiterwirkenden und die Verabschiedeten des afa-Landesvorstandes persönlich gesegnet.

Bilder: kda Bayern





