Auf der Arbeit sind sie nicht gerne gesehen, die Träumer und Visionäre. Lieber jemand, der richtig anpacken kann, der etwas wegschafft!
„Binde Deinen Karren an einen Stern“ war das Motto der Exerzitien, die ich im Advent mitgemacht habe. Der Satz ist von Leonardo da Vinci und man möchte doch meinen, dass selbst da Vinci zu seiner Zeit wusste: Wenn ich einen schweren Karren, womöglich voller Steine ziehen soll, dann spanne ich da einen Esel davor oder ein Pferd, vielleicht noch einen Ochsen. Aber doch keinen Stern! Man braucht Kraft, um Arbeit zu verrichten, um einen Karren vorwärts zu bekommen, womöglich sogar aus den Dreck zu ziehen.
Nach den Sternen greifen nur Spinner und Träumer. Ob man so vorwärtskommen kann? Kann ich mich auf das verlassen, was in den Sternen steht?
Die drei Weisen aus dem Morgenland in der Bibel haben genau das gemacht. Sie scheinen solche Träumer gewesen zu sein. Eine ungewöhnliche Sternkonstellation, die nach alter Tradition auf ein neues Zeitalter, auf die Geburt eines großen Königs hinweist, hat sie aufbrechen lassen. Ohne zu wissen, ob das wirklich stimmt, ob man den König finden kann, folgten sie diesem Stern und seinem Hoffnungsschein, folgten ihrem Traum von besseren Zeiten. Und auf dem sicher beschwerlichen Weg fanden sie die Kraft, weiter zu gehen und zu suchen, bis sie am Ziel ihrer Sehnsucht ankamen.
Vielleicht bringen uns die Träumer doch weiter. Ziele lassen uns Widerstände überwinden und beflügeln uns. Ob Erfindungen, gesellschaftliche Veränderungen oder Hilfsprojekte, die kaum jemand für machbar hielt: Wenn jemand sich trotz widriger Umstände von einer inneren Sehnsucht hat leiten lassen, die dem Leben Sinn und gute Richtung gibt, wird aus Visionen Realität.
Lassen Sie sich doch vom Stern über Bethlehem, von seinem Lichtschein leiten und trauen sie sich mal, das Undenkbare für machbar zu halten. Eine Vision kann die täglichen Lasten erleichtern und Kraftquelle sein. Folge Deinem Traum und binde Deinen Karren an diesen Stern. Vielleicht lassen sich sogar andere davon anstecken. Denn gemeinsam zieht es sich leichter.
„Als Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“
(Matthäus 2, 1.2)
Dietlinde Peter
Dipl.-Theologin, Verwaltungsleitung kda Bayern
