Bei der Arbeit muss es oft schnell gehen. Zu viel Schwung und schon ist es passiert: Der Spiegel in der Tür meines Garderobenschranks löst sich und fällt zu Boden. „Scherben bringen Glück“ kommentiert meine Kollegin. Aber mir bringen sie nur einen Schnitt im Finger, als ich die Scherben in eine Pappschachtel sammle. Fasziniert schaue ich auf eine der Scherben in meiner Hand: Mein Spiegelbild darin ist vollständig.
Und während ich die kleine Verletzung ins Verbandsbuch eintrage, kommt mir eine Idee: Ich werde die Scherben auf eine Leinwand kleben, in Kreuzform. Das Bild habe ich Shalom genannt.
Shalom wird oft mit Frieden übersetzt, worunter wir vorschnell die Abwesenheit von Aggression, von Krieg verstehen.
Der Shalom-Begriff der Bibel ist viel umfassender. Schalom bedeutet im Tanach (der hebräischen Bibel) zunächst Unversehrtheit und Heil. Doch mit dem Begriff ist nicht nur Befreiung von Unheil gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt und Glück.
Wo soll das sein? In meinem Leben erfahre ich oft, dass Dinge und Beziehungen zerbrechen, ich mich an scharfen Kanten verletze, dass ich mich zerrissen fühle, dass Einschneidendes passiert. An meiner Arbeitsstelle sind wir nicht akut bedroht, aber Freunde sorgen sich um ihre Arbeitsplätze in der Industrie, wo derzeit massiv Stellen abgebaut werden, und beide arbeiten auch noch in derselben Firma. Was wird das kommende Jahr ihnen bringen?
Das Leben fügt uns Verletzungen und Wunden zu, es bleiben Narben. Wie gehe ich damit um? Kann ich trotzdem Zutrauen und Hoffnung bewahren?
Mein Abbild im Spiegel bleibt ganz, auch wenn es nur eine Scherbe ist, die mich spiegelt. Meine Seele – unkaputtbar. Das Leben schlägt mir Wunden, aber im Kern bleibe ich ganz.
Vielleicht kann ich sogar sagen: Die Erlebnisse und Krisen meines Lebens haben mich zu dem geformt, was ich jetzt bin. Jesu Kreuz gibt mir Halt und den Rahmen für die Scherben. Er hat mich erlöst und das kann ich in Anklängen schon spüren.
Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels. Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Psalm 147, 2 + 3
Dipl.-Theol. Dietlinde Peter, Verwaltungsleiterin kda Bayern
Foto: kda Bayern




