Trauer am Arbeitsplatz. Mittwochsandacht

Als Sandra nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes zur Arbeit zurückkehrte, spürte sie die Unsicherheit ihrer Kolleginnen und Kollegen. Auf ihrem Schreibtisch stand eine kleine Vase mit einer Blume. „Ich wusste nicht, was ich sagen soll“, meinte ein Kollege verlegen in der Mittagspause. „Danke“, antwortete Sandra. „Die Blume hat mir gezeigt, dass ich wahrgenommen werde nicht nur als Mitarbeiterin, sondern als Mensch.“

Bei über eine Millionen Todesfällen im Jahr ist Trauer allgegenwärtig, auch am Arbeitsplatz. Dennoch ist Tod und Trauer in vielen Betrieben ein Tabuthema. Wo Leistung, Termine und Zahlen den beruflichen Alltag bestimmen, wird Trauer oft verdrängt. Das führt zu Sprachlosigkeit, Unsicherheit und Vermeidung. Und bei den Betroffenen zu Enttäuschungen und noch mehr Leid.

Trauer lässt sich nicht wie eine Jacke an der Eingangstür zum Betrieb ablegen. Sie begleitet die Trauernden in Besprechungen, auf der Baustelle oder bei Kunden. Für sie ist nichts mehr wie zuvor. Ein „Weiter so“ ist kaum möglich.

Vielleicht tun sich Unternehmen mit dem Thema auch so schwer, weil Trauer individuell ist, Zeit braucht und nicht in Zahlen messbar ist.
Dabei könnte es auch anders sein. Wo Wertschätzung, Empathie und Achtsamkeit nicht nur Schlagworte sind, sondern im Unternehmen gelebt werden, begegnen Führungskräfte und Mitarbeitende Trauernden als anteilnehmende Mitmenschen. Ein guter Umgang mit Trauer schafft auch in Teams ein mehr an Vertrauen, Zusammenhalt und Zufriedenheit.

Paulus schreibt im Brief an die Römer:
„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15)
Diese Worte könnten auch unsere Arbeitswelt verändern hin zu mehr Vertrauen, Mitgefühl und Miteinander. Ob im Büro, in Werkstätten, in Erziehung oder Pflege, überall arbeiten Menschen, die Freude, aber auch Leid mit sich tragen. Menschlichkeit zeigt sich dort, wo wir miteinander lachen, aber auch miteinander weinen.

Die Autorin Freya von Stülpnagel schreibt in ihrem Glaubensbekenntnis für Trauernde:
„Ich glaube an Worte, die heilen können, und an Schweigen, das heilt.
Ich glaube, dass unsere Welt durch geachtetes und gewürdigtes Leid menschlicher und wärmer werden kann.“

Diese Predigt gibt es auch als Audioversion:

 

Roland Hacker, Referent für die Fachstelle Kirche und Handwerk im kda Bayern

Foto: Grief_gmnicholas_canva

Führungskräfte, Arbeitnehmende, Handwerk, Geistliches, betriebliches Gesundheitsmanagement, Seelsorge, Tod und Trauer

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