Was haben meine alltäglichen Entscheidungen mit Demokratie zu tun?

RIEDERAU. Fünfunddreißigtausend. Diese Zahl sorgte bei den Teilnehmer*innen des Seminars „Du entscheidest?!“ für großes Erstaunen. So viele Entscheidungen trifft der Mensch nach neueren Forschung täglich – bis zu 35.000. Ums Entscheidungen treffen und um die Frage, was alles zu meinen Entscheidungen führt oder geführt hat, ging es an einem Wochenende Anfang März am Ammersee. 

Begonnen wurde mit den vermeintlich einfachen Fragen:

  • Was war an diesem Tag die beste Entscheidung?
  • Welche die Unglücklichste?
  • Und welche Entscheidung hätte ich an diesem Freitag zu späterer Stunde vielleicht lieber anders getroffen?

„Schon bei diesen 3 Fragen wurde deutlich, dass es gar nicht so einfach ist mit dem Entscheiden und dem damit verbundenen Leben“, weiß Seminarleiter Ulrich Gottwald vom kda Bayern aus Augsburg zu berichten.

„Wer bestimmt was „das Beste“ ist. Was macht es mit mir, am Abend über diese 3 Fragen nachzudenken? Wie lange bleiben mir unglückliche Entscheidungen im Gedächtnis, beeinflussen sie vielleicht sogar über Jahrzehnte mein Leben?“, so Gottwald weiter.

Das Erkennen, das viele vermeintliche „freie“ Entscheidungen beeinflusst sein können von Erfahrungen, Prägungen der Kinder, körperlichem Befinden, der Tagesform oder auch von Erlebnissen der Eltern und Großeltern war ein großer Bestandteil des Seminars. Der Bogen wurde gespannt vom Individuum mit „seinen“ eigenen, persönlichen Entscheidungen hin zur Frage, wie in Gruppen entschieden wird oder entschieden werden kann und was das alles mit Demokratie zu tun hat.

Anhand des Entscheidungs- und Demokratielernspiels „QUARARO“, welches im Seminar vorgestellt wurde, ging es ans aktive Ausprobieren. Der Mehrheitsentscheid als alle bekannte Form wurde mit allen seinen Stärken (und vor allem Schwächen) ausprobiert. Die parlamentarische Vertretung als Möglichkeit für große Gruppen gerade im Hinblick auf die an dem Wochenende stattfindenden Kommunalwahlen in Bayern genau angeschaut. Die Entscheidungsmöglichkeit des Konsens wurde lebhaft diskutiert, ganz neu für alle Beteiligten war dann das systemische Konsensieren.

In Gruppenarbeiten wurden Mehrheitsentscheid und systemsicheres Konsensieren mit zwei sehr ähnlichen Frage- und Aufgabestellungen „in Echt“ ausprobiert. Die Klarheit und Eindrücklichkeit des Ergebnisses beeindruckte alle Beteiligten. Diese neue Form von Entscheidungsfindung vor allem für Gruppen beschäftige die Teilnehmenden  auch noch am letzten Seminartag. An diesem wurde der Bogen nochmals geschlossen zu den eigenen Entscheidungen, was einem beim Entscheiden hilfreich zur Seite stehen kann und dem Erkennen, dass bei so vielen Entscheidungen, welche man täglich trifft, auch mal unglückliche dabei sein können.

Gut zu wissen, dass jeder Tag die Möglichkeit bietet, neu zu entscheiden.

Foto: kda Bayern 

Demokratie

Meldungsarchiv

Vorheriger Beitrag
Findet die Fehler!
Nächster Beitrag
Werkbank für den Wandel: Kirche auf dem Fachkongress „Zukunft Handwerk“

Ähnliche Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden.