„City in the Cloud – Data on the Ground“ heißt eine bemerkenswerte Ausstellung, die derzeit in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt wird. Mit der Münchner Arbeitsgruppe des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (aeu) habe ich mich im Advent durch diese Ausstellung führen lassen.
Die digitale Welt, die unsere Arbeit und unser Leben prägt, kommt oft so clean und wolkig daher. Wie konkret und wie dreckig sie hinter der wolkigen Fassade auf Erden ist, ruft die Ausstellung in Erinnerung. So zeigt sie die Mondlandschaften, die das Schürfen nach Metallen für die digitalen Infrastrukturen hinterlässt. Sie bietet eine Landkarte der Erd- und Seekabel, die als globale Autobahnen den Datenfluss rund um die Welt ermöglichen, und bildet gewaltige Serverfarmen und Supercomputer ab, die riesige Mengen an Daten verarbeiten.
Supercomputer wie MareNostrum 4, der in einer ehemaligen Stiftskapelle auf dem Gelände der Polytechnischen Universität in Barcelona steht. In einer Kapelle. Wo früher der Vater im Himmel angerufen wurde, wird nun im Namen der Wissenschaft gerechnet.
Geht man da nur mit der Zeit oder passiert hier Bezeichnendes?
An Weihnachten singen wir „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Es ist ein Lied, das Martin Luther seinen Kindern geschrieben hat, ein vertontes Krippenspiel, in dem ein Engel die Geburt des Jesuskindes erzählt. Wie und warum der Gott im Himmel als Mensch zu den Menschen auf die Erde kommt, davon berichtet der Engel in seiner „guten, neuen Mär“. Eine Geschichte, kaum zu glauben für viele Menschen unserer Zeit, höchstens noch als kleine Mär, als Märchen für Kinder und kindliche Seelen, die sich am Heilig Abend für die Krippenspiele begeistern.
Die Bilder der Stiftskapelle in Barcelona vor und nach dem Einzug des Supercomputers MareNostrum 4 legen nahe, dass hier eine Mär für eine andere Platz gemacht hat. Ohne den Himmel aber scheint es auch bei der digitalen Mär nicht zu gehen. Zu profan, zu schmutzig, zu aufreibend wäre sonst das wahre Bild unter den Wolken. Daher wird diese Welt in die Metapher der „Cloud“ gehüllt, verhüllt.
In der Mär des Engels hingegen verhüllt der Himmel die profane, schmutzige, aufreibende Welt nicht. Vielmehr sucht der Himmel diese Welt auf und enthüllt dabei ihre ganze Profanität, ihren Schmutz, ihr Aufgeriebensein. Beim Kind in der Krippe darf die Welt sein, wie sie ist. Eine „gute, neue Mär“ auch für die Welt vor und hinter der Fassade der Cloud? Ich denke schon.
Pfarrer Peter Lysy, Leiter kda Bayern
Bild: Lysy





