Manch einer mag in dieses Jahr 2026 mit dem Gefühl gestartet sein, dass die Welt kopfsteht. Was lange verlässlich galt, steht auf einmal in Frage: dass politische Bündnispartner sich wie Bündnispartner verhalten, dass Verfassungsfeinde keine Chance auf Regierungsbeteiligung haben, dass die deutsche Industrie verlässlicher Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ist. Wann hat es das zuletzt gegeben, dass monatlich 10.000 Industrie-Arbeitsplätze verlorengehen?
In dieses Kopfsteh-Jahr gehen wir in den Kirchen mit Worten aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel.
Siehe, ich mache alles neu.
(Offenbarung 21,5) heißt die Jahreslosung 2026.
„Neu-Macher“ wünschen sich viele in der Wirtschaft, Innovatoren, die Innovationen hervorbringen, neue Produkte, neue Dienstleistungen, welche am Markt Erfolg haben und Wachstum generieren. Als „Neu-Macher“ betrachten sich auch jene, die die grundstürzenden politischen Bewegungen von Mar-a-Lago bis Magdeburg treiben. Letztere lassen dabei einen einschüchternden apokalyptischen Sound anklingen, der scheinbar an das anknüpft, was in der Offenbarung die Rahmenerzählung ist: der Kampf zwischen Gut und Böse, bei dem das Gute am Ende gewinnt.
Nun ist es tatsächlich so, dass in der Offenbarung die Ankunft des HERRN des Himmels auf der Erde von Krisenszenarien angekündigt wird. Daher traten zu allen Zeiten bis heute selbst ernannte Propheten auf, die Krisensituationen als eindeutige Kennzeichen der letzten Tage deuteten. Keine dieser Prophezeiungen hat sich jedoch bisher erfüllt.
Vermutlich, weil es darum in der Offenbarung gar nicht geht. Das Buch der Offenbarung dient nicht der Einschüchterung, sondern will Hoffnung wecken, Hoffnung, dass dann, wenn unsere Welt kopfsteht, einer da ist, der spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“ Einer, der eine Tür öffnet, wenn wir selbst nur vor Wände rennen, einer, der einen Weg weist, wenn wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, einer, der einen Neuanfang setzt, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind.
Mit so einem durch das ganze Dick und Dünn zu gehen, das in diesem Kopfsteh-Jahr vor uns liegt, ist doch eine ganz gute Aussicht.
Pfarrer Peter Lysy, Leiter kda Bayern
Foto: Henriette Mark




