Wie finden junge Menschen ins Berufsleben? – Industriemeistertagung 2025

BEILNGRIES-PAULUSHOFEN. Die diesjährige Industriemeistertagung des Industriemeisterverbandes Bayern und des kda Bayern fragte danach, welche Ausbildungskonzepte die junge Generation benötigt und wie sie den Weg ins Erwerbsleben schafft. „Genz@Work“ lautete die Überschrift. Eine Erkenntnis der beiden Tage: So ganz anders als die Älteren tickt diese „Generation Z“ womöglich gar nicht.

Wenn es um Arbeit und Ausbildung geht, ist das Image der so genannten „GenZ“ nicht das Allerbeste. Junge Leute, die etwa den Geburtsjahrgänge 1995 bis 2010 angehören, seien zwar hochaktiv auf Social Media, heißt es oft, aber wenig motiviert und zielorientiert im Erwerbsleben. Stimmt das überhaupt? Und wie ist die Lage am Ausbildungsmarkt derzeit? Auf welche Herausforderungen stößt die junge Generation?

Was wird aus den „NEET“?

Den Auftakt der Industriemeistertagung 2025 machte Ministerialrat Sven Meyer-Huppmann, Referatsleiter in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Kulturministerium. Verglichen mit anderen Bundesländern sei die Lage der Auszubildenden im Freistaat immer noch hervorragend, erklärte er. Bayern hat weiterhin einen Bewerbermarkt, das heißt die Zahl der Ausbildungsstellen übersteigt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber deutlich. Allerdings werden Kratzer in der Statistik sichtbar. Die Zahl „unversorgter Bewerber“ steigt ebenso wie die Zahl der aufgelösten Ausbildungsverträge – wenn auch auf niedrigerem Niveau als anderswo. Die Gruppe der so genannten „NEET“ („Not in Employment, Education or Training“), die also weder erwerbstätig, noch in Ausbildung, Schule oder Studium sind, umfasst in Bayern gut fünf Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Das neue „Startchancen-Programm“ von Bund und Ländern soll dem entgegenwirken. Durch die Förderung von schulischen Bauvorhaben, neuen Unterrichtskonzepten und Lernhelfern an Schulen soll die Ausgangslage gerade für junge Menschen mit sozialen oder sprachlichen Problemen verbessert werden. In Bayern nehmen insgesamt 580 Grund-, Mittel- und Berufsschulen sowie Förderzentren daran teil.

Fünf Männer stehen in einem Innenraum vor einem IMV-Banner, zwei von ihnen halten Geschenkpakete in der Hand. Sie lächeln in die Kamera und sind geschäftlich oder halboffiziell gekleidet. Im Vordergrund steht ein Tisch mit Papieren und Gläsern.
v.l.n.r.: Philip Büttner (kda Bayern), Florian Kaiser (IHK München und Oberbayern), Ministerialrat Sven Meyer-Huppmann (Bayerisches Kultusministerium), Dr. Markus Röhrig (IMV Niederbayern) und Franz Buchauer (IMV Bayern)

Ausbildungssuche im Riesenrad

Florian Kaiser von der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern zeigte im Anschluss ähnliche Entwicklungen auf. Der Leiter der Abteilung Berufliche Ausbildung schilderte einen leichten Rückgang der Zahl der Ausbildungsverhältnisse. Dies ist zum gewissen Teil auf die konjunkturelle Krise in der Industrie, insbesondere im Automotive-Sektor, zurückzuführen. Viele Betriebe geben aber auch an, Stellen aufgrund eines Mangels an geeigneten Bewerberinnen oder Bewerbern gar nicht besetzen zu können. Teilweise werden laut Studien des Bayerischen Industrie und Handelskammertages Motivation, Zuverlässigkeit und Deutschkenntnisse bei den jungen Leuten vermisst. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist jedenfalls messbar gesunken. Damit Auszubildende und Betriebe wieder besser „matchen“, hat die IHK einen kreativen Instrumentenkasten entwickelt, der insbesondere an den Schulen ansetzt. Dazu gehören IHK-Ausbildungsscouts, die Besuche in Schulklassen machen, ebenso wie Praktikumswochen, in denen Schülerinnen und Schüler in fünf Tagen, fünf Berufe und fünf Unternehmen kennenlernen können. Eine Idee mit Weitblick: Schüler steigen ins „AzubiRiesenrad“, für das das „Umadum“ am Münchner Ostbahnhof gemietet wird. In den Gondeln lernen sie dann in 80 Metern Höhe potenzielle Ausbildungsbetriebe kennen.

Ein Mann steht vorne in einem Konferenzraum und hält einen Vortrag vor einer Gruppe von sitzenden Personen. Hinter ihm wird ein Diagramm auf den Bildschirm projiziert, und die Teilnehmer hören zu und machen sich Notizen an U-förmigen Tischen.
Industriemeistertagung 2025

Besondere Förderung für junge Menschen, die ein „Paket“ zu tragen haben

Die nächsten beiden Vorträge befassten sich mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die mit einem größeren „Paket von Problemen“ ins Leben starten, einen guten Weg finden können.

Einen direkten Praxiseinblick gab Theresa Röhrig, Förderlehrerin an der Grund- und Mittelschule Rockefellerstraße in München (s. Titelbild, zusammen mit Mitveranstalter Bernhard Fürst). Sie schilderte, wie durch Förderung und innovative Lernkonzepte leistungsschwächere oder auch verhaltensauffällige Kinder gestärkt werden können. 3.000 speziell ausgebildete Förderlehrerinnen und Förderlehrer sind dafür an bayerischen Schulen eingesetzt – eine Besonderheit des bayerischen Schulwesens, die es in anderen Bundesländern nicht gibt. Die Grund- und Mittelschule an der Rockefellerstraße setzt darüber hinaus das Münchner Lernhauskonzept um, in dem die Schülerinnen und Schüler freier die für sie passenden Lernorte bestimmen und gestalten können.

Einen besonderen Ausbildungsansatz stellte Hermann Wocheslander, Geschäftsführer und Ausbilder der Werbemanufaktur JustlandPLUS aus Bogen vor. Als sozialer Betrieb bietet JustlandPLus in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Straubing und dem Landkreis Straubing-Bogen Ausbildungsplätze in der Mediengestaltung, Medientechnologie und Werbetechnik an. Mit individuell zugeschnittenem Förderunterricht und sozialpädagogischer Begleitung werden junge Menschen für den Beruf fit gemacht, die es aufgrund psychosozialer oder anderer Probleme in anderen Betrieben sehr schwer hätten, überhaupt eine Ausbildungsstelle zu finden und dann auch durchzuhalten. Die Werbemanufaktur arbeitet dabei mit Qualitätsansprüchen, wie sie am Markt gefordert sind.

Ein Mann mit Bart und blauem Hemd gestikuliert, während er während einer Präsentation oder Besprechung in einem Gebäude vor einem Banner spricht.
Hermann Wocheslander, Geschäftsführer von der Werbemanufaktur JustlandPlus

Wie tickt die GenZ eigentlich?

Der zweite Tag der Veranstaltung war der Frage gewidmet, wie die digital geprägte Jugend, die oft als „GenZ“ bezeichnet wird, eigentlich tickt und was sie braucht. Optimistisch blickte Franz Buchauer, 1. Vorsitzender des bayerischen Industriemeisterverbandes, in seinem Wort zum Tag nach vorn:  „Die Generation Z erinnert uns daran, dass Zukunft nicht einfach passiert – sie wird gemacht. Und sie ist schon dabei, sie zu gestalten.“

Ein Mann mit Bart, der einen dunklen Blazer und eine helle Hose trägt, steht und gestikuliert, während er spricht. Hinter ihm ist ein Bildschirm mit einem deutschen Text über Jugend, Bewusstsein und Sorgen zu sehen.
Diakon Sebastian Heilmann, Evangelische Jugend Bayern

Als Fachmann zu diesem Thema war Diakon Sebastian Heilmann von der Evangelischen Jugend Bayern eingeladen. Seine These: Die jungen Leute vertreten durchaus ähnliche Werte wie ältere Generationen. Sie wachsen zwar in einer neuen, nämlich sehr digitalen Welt auf, aber sie wollen sich ebenso einbringen, wirksam sein, etwas Sinnvolles tun wie frühere Generationen. Ein wesentlicher Unterschied zu den „Boomern“ oder der „Generation X“ ist, dass es von der GenZ demografisch viel weniger gibt und sie es sich daher leisten kann, am Arbeitsmarkt wählerischer zu sein. Ein bedenklich großer Anteil dieser schmalen Generation wuchs jedoch in prekären Verhältnissen auf – laut verschiedenen Quellen etwa ein Fünftel. Um diese abgehängten jungen Menschen muss die Gesellschaft sich viel stärker bemühen, um sie zu empowern und zu integrieren. Letztlich aber ist die GenZ wie wir – nur halt in jung.

Lesen Sie ein kda-Interview mit Sebastian Heilmann hier.

Fotos: IMV Bayern, Titelbild: Förderlehrerin Theresa Röhrig und  Mitveranstalter Bernhard Fürst vom IMV Bayern 

Führungskräfte, Arbeitnehmende, Wandel der Arbeitswelt, Handwerk

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