Arbeiten wir zu wenig Stunden?

In unserer Leistungsgesellschaft wird einmal mehr darüber diskutiert, ob wir Deutschen genug leisten oder zu faul sind. Diejenigen, die mehr Leistung einfordern, vergleichen Arbeitsstunden, um ihre Position zu stärken. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, wie viel tatsächlich in einer Stunde gearbeitet wird. Eine Stunde Däumchendrehen ist in dieser Rechnung gleichwertig mit einer Stunde Schuften bis der Arzt kommt. Selbst wenn man Arbeitsstunden vergleichen will, sollte man nicht die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, Feiertage, die Höchstarbeitszeit und dergleichen betrachten. Sinnvoller ist der Vergleich der Entwicklung des Arbeitsvolumens.

Dieses Maß ist besser, da es nicht nur Erwerbsarbeit gibt. Auch Pflege, Erziehung, Ehrenamt und vieles andere mehr sind Arbeit. Sie sind für unsere Gesellschaft und unseren Wohlstand genauso wichtig wie die Erwerbsarbeit. Gerade bei der Frage, wie diese Arbeiten organisiert werden und von wem sie erbracht werden, hat sich in der Vergangenheit viel verändert. So ist beispielsweise die Erwerbstätigenquote von Frauen angestiegen. Es ist uns auch gelungen, einen Teil der Zuwanderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Entsprechend haben wir einen neuen Höchststand sowohl bei der Anzahl der abhängig Beschäftigten als auch bei den Erwerbstätigen (hier sind Selbstständige mit eingerechnet) erreicht.

Richtig ist, dass die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit in den letzten Jahren gesunken ist. Sie ist gesunken, weil es mehr Teilzeitbeschäftigte gibt. Dieser Anstieg betrifft sowohl Frauen als auch Männer, wenngleich deutlich mehr Frauen in Teilzeit arbeiten als Männer. Das Arbeitsvolumen in Deutschland hat seit 1991 einen neuen Höchststand erreicht. Das Arbeitsvolumen ist die Anzahl der Stunden, die Erwerbstätige im Durchschnitt pro Jahr arbeiten, mal die Anzahl der Erwerbstätigen. Man kann also auch behaupten, dass dieses Hoch unter anderem nur deshalb zustande kam, weil es mehr Teilzeitarbeitsplätze und somit mehr Erwerbsarbeitsmöglichkeiten für Frauen gab.

Dieses Allzeithoch seit der Wiedervereinigung hätten wir als Gesellschaft nicht erreicht, wenn wir uns nicht immer wieder gut an geänderte Lebensvorstellungen und Rahmenbedingungen anpassen könnten. Etwas mehr Vertrauen in diese Lösungsfähigkeit, auch im Hinblick auf die Frage, wie das Ausscheiden der sogenannten Babyboomer aus dem Erwerbsleben gestaltet werden kann, wäre wünschenswert. Appelle, Verunglimpfungen und Polemik sind hier sicherlich der gänzlich falsche Weg.

Liniendiagramm der Gesamtarbeitszeit in Deutschland (in Millionen Stunden) von 1991 bis 2024, mit und ohne Überstunden. Beide Linien schwanken im Konjonkturverlauf, steigen im Laufe der Zeit jedoch an. Die Linie mit Überstunden liegt immer über der Linie ohne Überstunden. Die Grafik steht unter der Creative-Commons-Lizenz BY NC SA 4.0. kda Bayern, Thomas Krämer.

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Thomas Krämer, wissenschaftlicher Referent, kda Bayern
Text vereinfacht mithilfe von DeepL (www.deepl.com/write).

Titelbild: Bild mit DALL·E von OpenAI generiert und von Thomas Krämer, kda Bayern, bearbeitet.

Datenquelle

IAB: Arbeitszeitrechnung
(https://iab.de/daten/iab-arbeitszeitrechnung)

Weitere Informationen

tagesschau: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
(https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/arbeiten-reformen-wirtschaftswachstum-100.html)

Hans-Böckler-Stiftung: Debatte um Arbeitszeit: Fragen und Antworten aus der Forschung
(https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-debatte-um-die-arbeitszeit-69628.htm)

Hans-Böckler-Stiftung: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
(https://www.boeckler.de/de/magazin-mitbestimmung-2744-arbeiten-die-deutschen-zu-wenig-69230.htm)

Politik, Arbeitszeit, Spannungsfeld Arbeitszeit

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