Ausbildung der Ausbilder – ein Kurs, in dem man nicht nur Fachliches lernt

NÜRNBERG. Draußen ist Frühling, drinnen wird gepaukt für die Ausbilderprüfung. Diakon René Steigner vom Kirchlichen Dienst im Gastgewerbe (kdg) bringt seinen Prüflingen den umfangreichen Stoff im Kurs „Ausbildung der Ausbilder“ (AdA) näher. Wer in seinem Betrieb ausbilden will, muss sich den 70 Fragen und einer 30minütigen praktischen Prüfung unterziehen. Dafür wollen 300 Seiten Lehrplan in 85 Unterrichtsstunden durchgearbeitet werden.

Herausforderung im stressigen Alltag

„Ganz schön viel“ findet Azzeddine den Stoff. Umfangreicher als er gedacht hat, ist das Curriculum des AdA-Kurses für ihn. Mit 24 Jahren ist er bereits Führungskraft in der Gastronomie und hat auch schon Familie mit Kind. Im stressigen Gastgewerbe – wenig Freizeit, kaum Zeit zum Lernen – eine ziemliche Herausforderung. Sicher mit einer der Gründe, dass im Hotel- und Gaststättengewerbe Nachwuchs-Mangel herrscht. Aber gerade deswegen ist es wichtig, dass es Führungskräfte mit der berufspädagogischen Qualifikation des AdA gibt.

Qualifizierte Führungskräfte für qualifizierten Nachwuchs

Die Ausbilder*innen haben hier eine zentrale Funktion für den Nachwuchs. „Mit diesem Kurs kann ich in Zukunft meine Azubis gut motivieren, damit sie ihre Lehre gut machen und abschließen“, sagt Hotelfachwirt Steffen. Gastronom Dimitro pflichtete ihm bei: „Wir haben eine hohe Mitarbeiter-Fluktuation. Ich möchte die Azubis ran ziehen, die länger dran bleiben wollen“. Einer seiner Auszubildenden ist Flüchtling und würde ohne Lehre abgeschoben. „Den will ich ausbilden können, das ist ein super Junge“, so Dimitro.

Um ihre Mitarbeitenden gut begleiten zu können, müssen sich die AdA-Kursler*innen gut auskennen – auch beim gesetzlichen Rahmen: Berufsbildungsgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Ausbildungsordnung. Als Ausbilder sind sie später Methoden-Profis, entwickeln konkrete Feinziele aus dem allgemeinen Rahmenplan: Tisch eindecken, Bier einschenken, Kaffee servieren. Was bringe ich den Azubis bei und wie? Dazu müssen sie Gespräche führen, Unterweisungen vorbereiten oder Präsentationen halten.

Sich als Mensch weiterentwickeln

Steffen, Dimitro und Azzeddine schätzen den lockeren Austausch in der Lerngruppe und mit Coach René Steigner. „Ich kann die Erfahrungen aus meiner Praxis hier noch einmal reflektieren und lerne, Situationen im Arbeitsalltag besser einzuschätzen“, so Steffen. Im AdA Kurs geht es auch um psychologische und pädagogische Kenntnisse. „Ich bin der Chef von 40 verschiedenen Persönlichkeiten“, sagt Dimitro, „AdA hilft mir dabei, mit diesen Menschen gut umzugehen“. Gute Kommunikation – hier wird sie an Beispielen geübt. Einzelmodule zum Thema Wertschätzung, Nein-Sagen oder interkulturelle Kompetenz ergänzen das Programm. „Seit ich den Kurs mache, bin ich fürsorglicher mit meinen Azubis und Mitarbeitenden“, stellt Azzeddine fest. Es geht eben nicht nur darum, die Ausbilder-Prüfung irgendwie zu bestehen, sondern sich als Mensch im Austausch mit anderen zu entwickeln. „Alleine am Bildschirm zuhause bei einem E-Learning –Kurs würde ich das nicht schaffen“, meint Dimitro und die anderen Kursteilnehmer pflichten ihm bei.

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