Bürgergeld-Bingo! Sozialpolitisches Online-Spiel

BERLIN / HANNOVER / MÜNCHEN. In der aktuellen Debatte um die Höhe des Bürgergeldes starten Diakonie, Armutsnetzwerk, KWA und kda gemeinsam das Bürgergeld-Bingo. Es ist ein Spiel mit ernstem Hintergrund: „Wie würden Sie von 502 Euro leben?“ lautet die Leitfrage. Eine Einladung gerade auch an Menschen mit gesichertem Einkommen, sich einmal in die Lage von Armen zu versetzen. Das Spiel macht spürbar, was Studien längst belegen: Das Existenzminimum in Deutschland ist zu niedrig.

502 Euro für 12 Ausgabenbereiche

Die Aufgabe beim Bürgergeld-Bingo besteht darin, das aktuell geltende Existenzminimum von 502 Euro im Monat auf 12 verschiedene Ausgabenbereiche zu verteilen. 502 Euro – das ist der monatliche Bürgergeldsatz eines hilfebedürftigen, alleinlebenden Erwachsenen ohne Miete und Heizung. Von 502 Euro muss man sich ernähren, Kleidung kaufen, die Stromrechnung begleichen, den öffentlichen Nahverkehr nutzen, Beiträge für Versicherungen, Vereinsmitgliedschaften oder Fortbildungen bezahlen, Zuzahlungen für Medikamente leisten, Telefon- und Internetkosten stemmen … und vieles mehr.

Und schon ist man im Minus

Je konkreter man das Bürgergeld auf einzelne Ausgaben herunterbricht und mit den persönlichen Ausgaben im realen Leben vergleicht, desto klarer wird einem, wie viel – oder besser gesagt: wie wenig – 502 Euro eigentlich sind. Schnell gerät man bei dem Spiel ins Minus und muss sich überlegen, worauf man noch verzichten kann, und die Ausgaben korrigieren. Erst wenn man das fast Unmögliche schafft und bei genau 0 Euro ankommt, heißt es „Bingo!“ Die Spieler*innen erhalten dann eine Übersicht, wie ihre Ausgaben von den vorgesehenen Teilbeträgen im Regelsatz abweichen. Sie erhalten außerdem die gemeinsame Stellungnahme der Diakonie Deutschland, des Netzwerks von Menschen mit Armutserfahrung, des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt Bayern: „Das Bürgergeld reicht nicht!“

Studien zeigen, wie realitätsfern das Bürgergeld ist

Seit langem zeigen Studien und Gutachten, wie realitätsfern und sogar statistisch fehlerhaft das Existenzminimum in Deutschland berechnet ist. Durch Zirkelschlüsse und willkürliche Streichung wird es um etwa ein Viertel gekürzt. Auch die im nächsten Jahr anstehende, reguläre Anhebung des Regelbedarfs um 61 Euro kompensiert bestenfalls nachträglich die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre. Ein „echtes“ sozio-kulturelles Existenzminimum ist längst nicht erreicht.

Stellungnahme Regelbedarfsermittlungsgesetz, Diakonie 2020
Regelbedarfsbemessung – Eine Alternative zum Gesetzlichen Verfahren. Gutachten Diakonie 2021
Belastungen Einkommensschwacher Haushalte durch die Inflation, Expertise Diakonie und DIWEcon, 2022
Jobcenter der Zukunft, KWA-Report 2021

Bürgergeld-Bingo: Empathie statt Populismus

Wir brauchen mehr Empathie statt Populismus. Bürgergeld-Bingo ist eine Antwort auf die derzeitige Debatte, in der einmal mehr Zerrbilder von sozialen Hängematten bemüht und Geringverdienende gegen Erwerbslose aufgewiegelt werden. Dabei ist das Argument, die Grundsicherung müsse sinken, um den Lohnabstand zu gewährleisten, falsch und hilft – im Gegensatz zu höheren Mindestlöhnen – auch den Erwerbstätigen nicht. Die Grundsicherung hat die Aufgabe, jedem Menschen in unserem Land soziale Teilhabe und ein menschenwürdiges Leben zu garantieren. Von diesem Anspruch darf die Politik keine Abstriche machen.

Arbeitslosigkeit, Solidarität, Arbeitnehmende, Armut

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