Den Menschen im Blick – aus dem Alltag eines kda-Sozialsekretärs

COBURG. Was macht eigentlich ein Sozialsekretär beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt? Wie sieht sein Arbeitsalltag aus? Und was unterscheidet ihn von anderen Besuchern in den Betrieben? Diese und weitere Fragen hatte der Journalist Stephan Herbert Fuchs vom evangelischen Sonntagsblatt im Gepäck als er Sozialsekretär Frank Meixner in seiner kda-Regionalstelle in Coburg besuchte. Hier finden Sie seine Eindrücke zum Nachlesen.

„Wie laufen die Tarifverhandlungen?“ Diese Frage stellt der Gewerkschafter, wenn er in einem Betrieb kommt. Der Mann von der Kirche stellt die Frage anders: „Wie geht es dir?“ So erklärt Frank Meixner das Verständnis seiner Tätigkeit. Der 59-Jährige ist der für den Kirchenkreis Bayreuth zuständige kda-Sozialsekretär. Kda steht für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Frank Meixner betreut die Regionalstelle Coburg, eine von sieben in Bayern, seit 2002.

Ob der immense Stellenabbau beim Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) vor einigen Jahren in Bayreuth, das Ende namhafter Polstermöbelhersteller in den Landkreisen Coburg und Kronach oder die aktuellen Turbulenzen bei den Automobilzulieferern im Raum Bamberg: Frank Meixner ist immer dort, „wo es gerade brennt“. Auch wenn es seine Aufgabe ist, die frohe Botschaft zu verkünden, geht es doch meist um ganz lebenspraktische Dinge. Wo muss ich mich melden, wenn ich arbeitslos bin? Was wird aus meinem Hauskredit? Was, wenn es in der Ehe kriselt? Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes vor Augen wächst den Leuten alles über den Kopf, sagt der Sozialsekretär. Ihm geht es dann vor allem darum, emotional zu helfen und notfalls auch mal das Arbeitsamt, die Krankenkasse oder einen Rechtsanwalt zu kontaktieren.

„Unser Vorteil ist es, dass wir die Arbeitswelt kennen“, sagt Meixner. Auf ihn trifft das ganz besonders zu. Der gelernte Maschinenschlosser war viele Jahre als Gruppenleiter bei der Wefa, den gemeinnützigen Werkstätten für angepasste Arbeit des Diakonischen Werkes Coburg in Ahorn tätig. In dieser Werkstatt für Menschen mit Behinderung war er sogar Mitarbeitervertreter. Schon vorher hat sich der gebürtige Coburger, der in den Haßbergen aufgewachsen ist und in Ebern zur Schule ging, gewerkschaftlich engagiert, unter anderem als Ortsjugendausschussvorsitzender der IG Metall in Coburg.

„Wenn ich von der Kirche komme, dann habe ich meist einen Vertrauensvorschuss“, sagt Meixner. Als Gewerkschafter wäre das anders. Trotzdem gibt es auch schon mal den einen oder anderen Betrieb, der ihm Hausverbot erteilt hat. „Die Geschäftsführung wollte nicht, dass ich die Leute berate.“ So einfach lässt sich Meixner freilich nicht abwimmeln. Er habe seine Beratungstätigkeit für die hilfesuchenden Menschen dann eben im nächsten Pfarrhaus durchgeführt.

Frank Meixner hat viele Themen, die ihn umtreiben. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, lautet einer seiner Grundsätze. Das gelte aber nicht nur für Mann und Frau, sondern auch für Ost und West. Auch die Tarifbindung liegt ihm am Herzen. Immer weniger Mitarbeiter sind in Betrieben tätig, die tariflich gebunden sind. Dafür gebe es immer mehr befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeiter oder Teilzeitjobs. Und schließlich die Rente: „Wenn jemand seine Versicherungsjahre voll hat, dann muss er auch eine Rente bekommen, die zum Leben reicht.“

Eines seiner wichtigsten Themen ist der Schutz des Sonntags. Frank Meixner ist Sprecher der Coburger Sonntagsallianz, die es immerhin schon geschafft hat, dass Coburg die verkaufsoffenen Sonntage wegen der unklaren Rechtslage derzeit aufs Eis gelegt hat. Es könne nicht sein, dass es dem Handel nur darum geht, auf Kosten der Beschäftigten möglichst viel Gewinn zu machen, begründet er sein Engagement in dem Zusammenschluss von Gewerkschaften und Kirchen, die sich für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einsetzen.

Der kda-Mann kommt immer dann in einen Betrieb, wenn es ein Problem gibt. Klar, dass diese stressige und oft belastende Arbeit einen Ausgleich braucht. Den findet Frank Meixner in alter Technik. Er hat einen kompletten Maschinenparkt zuhause und repariert gerne alte Traktoren. Auch der Sport ist für den Ausgleich immer gut. Früher spielte er Fußball als Vorstopper beim Bezirksligisten Memmelsdorf, heute fährt er die 18 Kilometer von seinem Wohnort im thüringischen Ummerstadt nach Coburg gerne mit dem Fahrrad.

Der kda ist die Facheinrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für die Bereiche Arbeit, Wirtschaft und die damit zusammenhängenden Themen. Der kda hält im Auftrag der Kirche Kontakt zu den Organisationen und Verbänden in Arbeit, Wirtschaft und Sozialpolitik. Gegliedert ist der kirchliche Dienst in eine zentrale Stelle in Nürnberg mit Aufgaben vorrangig im Grundsatz-, Leitungs- und Verwaltungsbereich und regionale Außenstellen in Augsburg, Ingolstadt, München, Regensburg, Schweinfurt und eben Coburg mit Aufgaben vorrangig im Bereich der Kontakte in die Arbeitswelt sowie der Krisenbegleitung von Menschen und Betrieben.

(Text und Titelbild: Stephan Herbert Fuchs)

,
Vorheriger Beitrag
Corona ist kein Anlass für verkaufsoffene Sonntage
Nächster Beitrag
Teamwork ist Mist

Ähnliche Beiträge

Menü