Die Roboter kommen! Um Himmels willen oder Gott sei Dank?

MÜNCHEN. Wer hätte nicht gerne Hilfe durch einen Roboter im Haushalt oder bei der Steuererklärung? Die Besucher*innen des Vortragsangebots von afa und kda in der Regionalstelle München bekamen einen Einblick in die Möglichkeiten von Digitalisierung und Roboterisierung. Als Referentin sprach Hannah Pelikan, BSc, Masterstudentin ‘Human Media Interaction’ an der University of Twente in den Niederlanden mit Forschungsaufenthalten zu Mensch-Roboter Interaktion in den USA, Deutschland und Schweden, über den aktuellen Stand der Forschung.

Roboter als technische Helfer im Alltag

Zum Einstieg erarbeiteten die TeilnehmerInnen Bereiche, für die sie sich einen Roboter wünschen: im Haushalt (Einkaufsroboter, Putzroboter, Roboter zum Transportieren oder vom Boden aufheben), zur Planung (Fahrplanroboter, Zeitplanroboter), mit Sprache (Diktierroboter, Übersetzungsroboter, Telefonroboter) aber auch für Behördenangelegenheiten und Steuererklärung. Der Einsatz von Robotern kann Menschen Arbeit nicht nur abnehmen, er nimmt den Menschen auch Arbeit weg. Weniger Beschäftigte in Bereichen mit Robotereinsatz und Veränderung der Tätigkeiten für Menschen wären die Folge. Roboter beeinflussen zudem die Zusammenarbeit. Menschen kommunizieren nicht mehr nur mit Menschen, sondern auch mit Robotern und können z.B. nicht mehr sicher unterscheiden, ob sie am Telefon mit einem Roboter oder mit einem Menschen verbunden sind. Wenn Roboter agieren stellt sich die Frage nach dem rechtlichen Status, der Haftung und der Identität. Kann ein Einkaufsroboter auch bezahlen? Wer haftet, wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall hat?

Kommunikation Mensch – Roboter im Experiment

Es können zwei Formen von Robotern unterschieden werden: Humanoide, die ähnlich wie Menschen aussehen mit Kopf, Armen und Beinen, und technische Roboter, z.B. für Produktionsanlagen. Bei humanoiden Robotern kommt es auf Fähigkeiten wie Laufen, Greifen, Orientierung, Planen / Denken, Objekte erkennen, Sensorik aber auch Umgangsformen und Verhalten an.
Zu der Interaktion zwischen einem Mensch und einem humanoiden Roboter hatte Pelikan geforscht und veranschaulichte in Filmausschnitten wichtige Ergebnisse. Der Forschungsaufbau war so, dass ein auf dem Boden sitzender Mensch mit einem Roboter kommunizierte, der der sitzenden Person etwa bis in Brusthöhe reichte. Roboter und Mensch begrüßten sich gegenseitig, nannten Namen. Dann machte der Roboter etwas vor und der Mensch sollte erraten, was gemeint war.
Im Experiment wurde deutlich, dass der Roboter über eine schlechtere Kommunikationsfähigkeiten verfügt als der Mensch. So fängt er beispielsweise abrupt an zu sprechen, wenn der Mensch noch gar nicht ausgesprochen hat, hatte Probleme mit längeren Sätzen und verstand nicht immer auf Anhieb, was der Mensch sagte. Der Roboter konnte entweder zuhören oder agieren, aber nicht beides gleichzeitig. Das entscheidende Ergebnis bei diesen Versuchen war, dass der Mensch sich auf den Roboter einstellt, also klare und kurze Sätze formuliert, einfache Formulierungen wählt und weniger auf Höflichkeit und Umgangsformen achtet. Auf Wunsch wiederholt er seine Aussagen und reagiert auch in der Haltung auf den Roboter. Wenn ein Mensch, insbesondere Kinder und Jugendliche häufiger mit Robotern kommunizieren, z.B. mit Alexa oder einem sprachgesteuerten Handy, werden sie die dort erlernten und verwendeten Kommunikationsformen voraussichtlich auch in ihrer menschlichen Kommunikation verwenden. Dies kann zu einer Verarmung der Sprache, einem ruppigeren Umgangston und weniger sozialem Verhalten führen.

Roboter im Opterationssaal

Nach dem humanoiden Roboter zeigte Pelikan einen nicht menschenähnlichen Roboter, der vier „Arme“ für Operationsinstrumente hat. Seinen Einsatz findet er im Operationssaal. Die Chirurgen können mittels des Roboters die Operationsinstrumente bedienen. Dabei kann der Roboter größere Bewegungen in kleiner umrechnen, Zittern herausrechnen und erkennen, wenn der Chirurg „ausrutscht“. Die Eingriffe sind minimalinvasiv möglich. Operationsschwestern müssen nicht mehr anstrengend mit Instrumenten das Operationsfeld frei halten. In den USA sind solche Operationsroboter bereits im Einsatz. Sie sind sehr teuer und haben Auswirkungen auf die Zusammenarbeit des Operationsteams. Wenn über den Einsatz solcher Roboter nachgedacht wird, müssen nicht nur die technischen Aspekte betrachtet werden, sondern auch die Auswirkungen auf die Kostenentwicklung bei den Krankenkassen, Veränderungen bei den Berufsbildern, Abbau von Routine, wenn der Mensch nur noch im Notfall eingreift, und mögliche weitere Aspekte.

Chancen und Risiken der Robotertechnologie

In der abschließenden Diskussion brachten die TeilnehmerInnen Beispiele aus ihrem Erfahrungsbereich zum Abbau menschlicher Fähigkeiten nach der Auslagerung auf Computer. Menschen, die zur Orientierung immer ein Navigationsgerät im Auto oder auf dem Handy zu Fuß verwenden, haben oft keine Vorstellung mehr von Städten und sind ohne ihr Navi völlig orientierungslos. Die Fähigkeit Karten oder Fahrpläne zu lesen nimmt ab, wenn man diese Tätigkeit nicht mehr selber macht, sondern nur noch einen Computer machen lässt.
Es gibt also viele Chancen beim Einsatz von Robotern vom Haushalt bis zur Pflege, aber auch Risiken und viele gesellschaftlichen, ökonomischen und menschliche Aspekte, die mit bedacht werden müssen. Zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema wird das neue Buch „Arbeit im Alltag 4.0 – Wie Digitalisierung ethisch zu lernen ist. Beiträge aus betrieblicher, arbeitsmarktpolitischer und theologischer Sicht“, herausgegeben von Roland Pelikan und Johannes Rehm, empfohlen.

Titelbild: Hannah Pelikan bei ihrem Vortrag in der Regionalstelle München (Foto: Sybille Ott)

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