Digitales Handwerk – Technik und Wissen Hand in Hand

BAYREUTH. Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche der Wirtschafts-und Arbeitswelt, so auch das Handwerk. Deshalb besuchte der Arbeitskreis Kirche-Handwerk zusammen mit Pfarrer*innen, die in den Dekanaten eine Beauftragung für die kda-Arbeit haben, das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH) in Bayreuth. Dort wie auch beim Besuch einer oberfränkischen Schreinerei konnten die Teilnehmer*innen einen Eindruck bekommen, welchen Einfluss die technologischen Neuerungen für die traditionellen Brachen und Berufe des Handwerks haben.

Fit und konkurrenzfähig sein

Durch den digitalen Wandel wird es zunehmend der Industrie ermöglicht, ihre Produkte und Dienstleistungen kundenindividuell zu fertigen und somit klassische Marktsegmente des Handwerks zu bedienen. Das Handwerk gerät daher unter steigenden Wettbewerbsdruck. Das KDH informiert deshalb bundesweit Unternehmer*innen und Führungskräfte aus dem Handwerk über die betrieblichen Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien und leistet Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung in den Betrieben.
Um möglichst viele Handwerksbetriebe möglichst direkt zu erreichen, hat das KDH im Bundesgebiet fünf sogenannte Schaufenster eingerichtet. An der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken ist das Schaufenster Süd angegliedert, das sich dem Schwerpunkt Produktion und Automatisierung widmet.

Nachwuchsgewinnung und Erlebnisse für Kunden

Johanna Erlbacher, die Projektleiterin des oberfränkischen Schaufensters erklärte anhand verschiedener Praxisbeispiele, welche Möglichkeiten in der Digitalisierung im Handwerk stecken. „Mit Hilfe der Digitalisierung können Erlebnisse für Kunden geschaffen werden,“ so Erlbacher. Beispielsweise könne das Malerhandwerk durch den Einsatz eines sogenannten „digitalen Buntstifts“ den Kunden die Farbgestaltung von Räumen und Gebäuden simulieren. Mittels „digitalem Buntstift“ werden reale Gebäude oder Räume fotografiert und können dann auf einem Tablet in unterschiedlichen Farben dargestellt werden. Der Kunde kann sich somit die Fassade seines Hauses oder ganze Räume noch vor Bestellung der Farbe im neuen Farbton anzeigen lassen.
Die Diplomingenieurin und gelernte Automechatronikerin kritisierte allerdings, dass gerade das Thema Nachhaltigkeit im Rahmen der Digitalisierung bisher so gut wie nicht berücksichtigt wird. Dafür biete die Digitalisierung aber eindeutig viele Chance, um junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen.
Dem konnte auch der Präsident der Handwerkskammer Oberfranken, Thomas Zimmer, zustimmen, der nach dem Mittagessen unter anderem einen kleinen Einblick in die Ideen und Modelle der Handwerkskammern zur Gewinnung des dringend benötigten Nachwuchses gab.

3D-Technik und handwerkliches Können

In den Lehrwerkstätten vor Ort und beim Besuch der Schreinerei Heidenreich konnten sich die Teilnehmer*innen vor Ort schließlich von der praktischen Anwendung der Digitalisierung im Handwerk überzeugen. Dabei wurde deutlich, dass gerade Programme für die 3D-Gestaltung von Möbelstücken, automatische Zeiterfassungssysteme für einzelne Aufträge oder Bestellsysteme aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Doch letztlich ist auch hier das Können der Mitarbeitenden vor Ort gefragt, wenn es um die Ausarbeitung und Zusammensetzung der einzelnen Teile eines Möbels geht. Digitalisierung und Fachwissen gehen also nur Hand in Hand.

Beim Besuch des Kompetenzzentrum Digitales Handwerk in Bayreuth wurde anschaulich deutlich welche Chancen in der Digitalisierung für das Handwerk stecken.
Foto: kda Bayern
Digitales Schweißen zur Vorbereitung auf die Arbeit am echten Metall.
Foto: kda Bayern

Titelbild: Der Einsatz von digitalen Programmen erleichtert die Planungen im Zimmereihandwerk. (Foto: kda Bayern)

,

Meldungsarchiv

Vorheriger Beitrag
„Transfer und Tradition“ beim 8. Forum Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt
Nächster Beitrag
Leben ist mehr als gepflegt sein

Ähnliche Beiträge

Menü