Leben ist mehr als gepflegt sein

NÜRNBERG. Bei einem Besuch in zwei Pflegeheimen der Christlichen Arbeitsgemeinschaft e.V. (CAG) machten sich Mitarbeitende des kda ein Bild von den Arbeitsbedingungen und würdigten die herausfordernde Arbeit der engagierten Pflege- und Servicekräfte. Dabei wurde klar: Mit guter Personal-Ausstattung und wenig Fluktuation geht es Pflegenden und Bewohner*innen gut.

Je mehr Personal, desto weniger belastend die Arbeitsbedingungen

Anders als sonst in der Branche sucht Florian Schoenauer nicht händeringend nach Pflegepersonal. „Wir schalten keine Anzeigen, unsere eigenen Mitarbeiter werben persönlich neue Kollegen“, so der CAG-Vorstand. Und die bleiben in der Regel auch langfristig dabei. Das ist gut für die Teams, die Zusammenarbeit auf Station, eine verlässliche Dienstplangestaltung und damit für die Gesundheit der Mitarbeitenden. Das bestätigten auch die Kolleginnen aus der Mitarbeitervertretung im Käthe-Hirschmann-Heim in der Nürnberger Südstadt. „Wir helfen uns im Haus gegenseitig und kennen uns lange. Das bringt Ruhe ins Team. Und wenn ich verlässlich Tage frei habe, kann ich besser abschalten und entspannen in meiner freien Zeit“, beschreibt Schwester Maria die Situation.

Angebote für Beschäftigte

Bei Übergabe, Team- und Fallbesprechungen können die Schwestern und Betreuungsassistenten sich über belastende Situationen austauschen und gemeinsam Lösungen für besonders schwierige Patient*innen suchen. Das Gesprächs- und Seelsorgeangebot einer Pfarrerin aus der Nachbargemeinde wird gern angenommen, für das nächste Jahr ist zusätzlich externe Supervision für das Personal geplant. Alle Auszubildenden in den CAG-Heimen haben Mentoren, die sie betreuen und wechseln während der Ausbildung die Einrichtung, um Erfahrungen zu sammeln. Eine Aus- Fort- und Weiterbildungsbeauftragte berät alle Mitarbeitenden und koordiniert die Angebote. „Die CAG ist ein verlässlicher Arbeitgeber“, so beschreibt es Schwester Simone aus dem Dr.-Werr-Heim. „Wir haben etliche alleinerziehende Kolleg*innen und da wird Rücksicht genommen bei der Arbeitszeit, wenn die zum Beispiel ihre Kinder morgens noch in die KITA bringen müssen“.

Sozial- und Pflegedienst Hand in Hand

„Wir im Sozialdienst sind für die Seele da. Das ist etwas Besonderes“, so beschreibt es eine andere Kollegin. Die Theologin und das Team sind auch für Sterbebegleitung, Aussegnung oder Beerdigungen mit zuständig. „Wir sind mit den Patientinnen Teil einer Gemeinschaft und nehmen mit den anderen Bewohnern Abschied von Verstorbenen. Das gehört zur Pflege mit dazu“, so Schwester Simone. Kda-Leiter Johannes Rehm zeigte sich zutiefst beeindruckt von dem hohen Engagement der Pflegekräfte für ihren Dienst. „Die Mitmenschlichkeit einer Gesellschaft erweist sich vor allem im Umgang mit Pflegebedürftigen. Für gläubige Menschen ist gute Pflege Ausdruck christlicher Nächstenliebe“, so der Theologe.

Das Miteinander von Sozial- und Pflegedienst funktioniert gut. Die Betreuungsassistent*innen aktivieren bei der Frühstücksgruppe und am Nachmittag die Patientinnen mit Gesprächen, Gedächtnistraining und Bewegungsübungen. Das erhöht die Lebensqualität der Bewohner*innen: „Die wollen auch noch was erleben und Leben ist mehr als gepflegt sein“, so eine Schwester. Derweil können die Kolleg*innen aus der Pflege sich um Arztgespräche oder Dokumentation kümmern. Letztere hat in den Jahren immer mehr zugenommen und zum Teil „absurde Ausmaße angenommen“, wie die Schwestern berichten. In dieser Form sei das mehr belastend als hilfreich sagen alle unisono.

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