Digitalisierung menschlich gestalten

MÜNCHEN. Beim “Check-up zum Frühstück” der Handwerkskammer für München und Oberbayern stand Johannes Rehm, Leiter des kda Bayern, im Rahmen eines Workshops Rede und Antwort zu ethischen Aspekten der Digitalisierung. Unter dem Veranstaltungsmotto „Reicht Ihr Wissen für den digitalen Wandel?“ führte er seine Gedanken zur menschlichen Gestaltung von Digitalisierung und zur sozialethischen Orientierung aus.

Digitalisierung braucht Dialog

Digitalisierung beinhaltet eine grundlegende Veränderung unserer Arbeitsweise und unseres Wirtschaftens. Revolutionär wird diese Entwicklung vor allen dadurch, dass nicht nur wir Menschen arbeiten, sondern dass zusätzlich Algorithmen für uns arbeiten und wir durch Künstliche Intelligenz sowie Robotik in der Arbeitswelt “neue Kollegen” erhalten werden. Kirche stecke wie alle anderen mitten in diesem Wandel durch Digitalisierung, so Rehm. Auch hier sei eine Veränderung bei der Kontaktpflege oder Verwaltungsabläufen sichtbar. Allerdings betonte der Theologe: „Die Rede von der Digitalisierung ist unzureichend, wenn sie vornehmlich als technisches Phänomen verstanden wird.“ Vielmehr brauche es eine politische Gestaltung und eine gesamtgesellschaftliche Verständigung über die Ziele und deren ethische Begründung. „Dieser Dialog verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen und Akteure scheint mir auf der Folie aktueller Zeitdiagnosen von großer Dinglichkeit zu sein.“, so Rehm.

Ein gutes und gelingendes Leben braucht mehr als Digitalisierung

Auf dem Hintergrund der biblischen Überlieferung nannte der Leiter des kda einige Punkte, „die dem Fluss der Veränderungen eine Richtung geben und uns eine Orientierung sein können.“ Dazu gehören für ihn beispielsweise das Verständnis des Menschen als Geschöpf Gottes, der als Gemeinschaftswesen auf andere angewiesen ist. Ein gesunder Wechsel von Arbeit und Ruhe müsse für ein gutes und gelingendes Leben genauso bedacht werden wie die Balance aus Neuem und Vertrautem und faire Arbeitsverteilung. Sein Wunsch für das Handwerk sei, dass es über alle Digitalisierung hinaus „weiterhin Gestaltungsräume eröffnet für Individualität, für das Einzigartige und das Besondere.“

Foto: Ausschnitt aus einer Grafik von Beate Kopp/ grafische-visualisierung.de

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