Durch den Abfluss und dann? – Betriebsbesichtigung im Klärwerk

ROSENHEIM. Nicht nur Wasser, sondern die vielfältigsten Flüssigkeiten und Gegenstände werden in unseren Haushalten, Arbeitsstätten und öffentlichen Einrichtungen tagtäglich durch den Abfluss gespült. Die Wenigsten machen sich Gedanken darüber, wie dieser Abfall entsorgt und aus Schmutzwasser wieder Trinkwasser wird. Bei der Betriebsbesichtigung im Klärwerk konnten sich die Teilnehmenden ein Bild vom notwendigen Ver- und Entsorgungsbetrieb einer Stadt machen. Eingeladen nach Rosenheim hatte die Kolbermoorer Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Gedankenlose Müllentsorgung über das Klo

„Handys, Gebisse, Socken, Kreditkarten – alles was ins Klo passt und anderesmehr, kommt bei uns an“, sagte Andreas Motzet, der Betriebsleiter vom Klärwerk Rosenheim und schüttelt den Kopf. “Feuchttücher und Tampons sind das Schlimmste. Sie verheddern sich ineinander und verstopfen Pumpen und Rohrleitungen. Ein Ärgernis. Wie auch das Gebinde aus Feuchttüchern, Bodentüchern, Binden und Tampons, das manchmal bis zehn Meter lang ist. Das ekelige Zeug muss dann von Mitarbeitern per Hand herausgezogen werden.” Dies erklärte Motzet als die zahlreich Gekommenen am Rechen standen, wo solches “Zeug” aussortiert werde.

Betriebsgröße und Einzugsbereich des Klärwerks Rosenheim

Im Klärwerk seien derzeit 25 Mitarbeitende beschäftigt, unter anderem Chemiker, Schlosser, Programmierer und Motzet als Maschinenbau-Ingenieur. Das Klärwerk sei auch Ausbildungsbetrieb für Lehrlinge zum Beruf des “Ver- und Entsorger im Abwasserbereich”, dem früheren Klärwarter.
Die Führung durch das siebzigtausend Quadratmeter große Gelände, in welches die Abwässer aus Kolbermoor, Rosenheim, Schechen und Großkarolinenfeld landen, begann am Rechen. Mittels fünfzig Pumpstationen würden die Abwässer der Kommunen durch 280 Kilometer Kanalsystem zum Klärwerk geleitet. 700 Liter in der Sekunde, bei Regen sogar 1250 Liter, erläuterte der Betriebsleiter. Eine vollständige Reinigung des Wassers von der Ankunft bis zum Abfluss im Hammerbach dauere 24 Stunden.

Mehrere Reinigungsstufen

Vom Rechen führte der Ingenieur weiter zum Fett- und Sandfangbecken, wo Fette und Öle herausgefiltert würden.
Als “das Herzstück der Anlage“ bezeichnete Motzet das Belebungsbecken. „Hier wird das Wasser biologisch gereinigt, also Luftsauerstoff für die Bakterien zugeführt.“ Diese Reinigung beinhalte beispielsweise den Abbau von Kohlenstoff- und Sickstoffverbindungen. „Äußerst problematisch ist es aber, wenn Menschen ihre Medikamente in der Toilette entsorgen. Denn beispielsweise Antibiotika, Entzündungshemmer, Hormone, Aspirin bleiben im System erhalten, schaden den Reinigungsbakterien und sind aus dem Wasserkreislauf nicht zu entfernen.“

Biogasanlage zur eigenen Erzeugung von Strom und Wärme für das Klärwerk

Im anschließenden Nachklärbecken wird der Schlamm vom gereinigten Abwasser getrennt. Der Klärschlamm werde in Faultürmen auf 40 Grad erwärmt. Das dabei entstehende Biogas, werde als Energiequelle in Form von Strom und Wärme für den Betrieb der Kläranlage genutzt, erklärte der Betriebsleiter weiter.
Das Endprodukt Klärschlamm werde im Zementwerk Rohrdorf verwertet.

Antibiotika und andere anthropogene Stoffe können nicht herausgefiltert werden

Die Besucher konnten auch den Zufluss zum Hammerbach besichtigen, in dem das klare Wasser eingeleitet wird, allerdings seien nach wie vor Antibiotika und andere anthropogene Stoffe enthalten, welche dann über den Inn, in die Donau ins Schwarze Meer gelangen, so Motzet.

Dank für kompetente Führung

Die Führung dauerte gut zwei Stunden. Keine Minute war langweilig, weil Motzet die leidenschaftlich diskutierenden Besucher mit Kompetenz und Empathie in seinen Bann zog. Ingrid Herberholz und Agathe Lehle als Organisatorinnen dankten wie alle anderen dem Betriebsleiter mit langem Applaus und einer Flasche Sgouros Olivenöl aus Kolbermoor.

Foto: afa Kolbermoor

, ,
Vorheriger Beitrag
Menschen im Betrieb – im neuen kda report trifft Wissenschaft betriebliche Praxis
Nächster Beitrag
Die Vorurteile über ältere Beschäftigte sind falsch

Ähnliche Beiträge

Menü