Als Ehrenamtlicher nah bei den Menschen in der Krise

COBURG/ SCHNEY. Mit Sorge verfolgt Heinz Gärtner die Krise in der Automobilzuliefer-Industrie in Oberfranken. Der Kreisvorsitzende des DGB in der Region, der auch aktiv als Ehrenamtlicher in der afa-Arbeit vor Ort ist, kritisierte dabei erst kürzlich die Entlassung von Mitarbeitenden bei der Firma Hoffmann. Weil es dort keinen Betriebsrat gibt, war die Gewerkschaft nicht in die Entscheidung einbezogen.

Nach Gärtners Ansicht, hätte die Firma Hofmann das Instrument der Kurzarbeit besser nutzen und die Mitarbeitenden auf null Prozent setzen sollen, statt Entlassungen vorzunehmen. „Leider sind nach meinen Informationen auch viele junge Leute unter den Entlassenen – also Familienväter mit Kindern und damit Härtefälle“, so Gärtner. Es sei doch viel sinnvoller, die Beschäftigten zu halten. Dann habe der Betrieb nach der Krise erfahrene und motivierte Mitarbeiter, argumentiert der Gewerkschafter.

Erhebliche Lohneinbußen bei Kurzarbeit

Gärtner, der als Werkzeugmaschinenbauer selbst 33 Jahre Betriebsrat war, weiß wovon er spricht, wenn es um die Situation von Arbeitnehmer*innen in der jetzigen Krise geht. Er ist mit vielen im Gespräch, für die es trotz Kurzarbeitergeld eine Herausforderung ist, die Miete zahlen zu können, weil die Lohneinbußen doch erheblich sind. „Sehr häufig trifft es Alleinerziehende“, berichtet der Gewerkschafter. Die Schicksale der Kolleg*innen lassen ihn nicht kalt. Er kennt auch Menschen mit mehreren Minijobs in der Gastronomie, die nach Schließung der Gaststätten kein Anrecht auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld haben. Hier sei eine Nachbesserung bei der sozialen Sicherung dringend nötig, so Gärtner.

Gute Arbeit und Teilhabe

Überhaupt verändere die Digitalisierung die Arbeitswelt so grundlegend, „dass kaum noch ein Stein auf dem anderen liegen bleibt.“ Arbeitsverhältnisse werden völlig neu organisiert: Auslagerung an Leiharbeits-Firmen oder rechtlich Selbständige, Zeitarbeit, Werkverträge, Homeoffice. Da bräuchte es nach Gärtners Meinung eine neue Form des Betriebsverfassungsgesetzes, das ja nur wirklich gut greift, wenn Betriebsräte da sind, die es vor Ort umsetzen. Leider ist das in Oberfranken und auch im gesamten Bundesgebiet immer weniger der Fall. Damit bei diesem Wandel niemand zurückbleibt, braucht es nach Gärtners Meinung flankierende arbeitspolitische Maßnahmen, die gute Arbeit, soziale Sicherheit und persönlich Teilhabe aller Menschen ermöglichen.

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