„Arbeit 4.0 – Digitalisierung“ oder: „Wo bitte geht’s zur Zukunft?“

KRONACH. Im Rahmen eines Begleitprogramms zur Wanderausstellung „Der Mensch ist (k)eine Ware“ fand in Kronach ein Vortrag zur Digitalisierung und ihren gegenwärtigen Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft statt. Auf Einladung der vereinigten Erwachsenenbildungswerke Kronach, Ludwigsstadt und Michelau referierte der Industrie- und Sozialpfarrer des kda Bayern Dr. Roland Pelikan am 13. November 2018 in der ehemaligen Synagoge über Arbeit 4.0 zur Digitalisierung.

Digitalisierung als Thema von Gegenwart und Zukunft

Zu Beginn seines Vortrags zitierte Roland Pelikan aus dem neuen Koalitionsvertrag der Bayerischen Staatsregierung, in dem die Digitalisierung der Arbeitswelt als Aufgabe politischen Handelns herausgehoben ist: „Wir unterstützen die bayerischen Arbeitnehmer bei den Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0. Den im Juni 2018 geschlossenen Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0 zwischen Staatsregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Bundesagentur für Arbeit setzen wir um und bauen ihn weiter aus…“, Ebenso wies der Sozialethiker in diesem Zusammenhang aktuell darauf hin, dass mit der neu ernannten Staatsministerin Judith Gerlach erstmals in Deutschland ein eigenes Ministerium für Digitalisierung in Bayern geschaffen worden sei. Dies zeige, dass den durch die Digitalisierung aufgeworfenen Fragen in Zukunft besondere Bedeutung zukommt. Pelikan entfaltete das Thema ausgehend von drei Fragen: Was ist ´Arbeit` in der jüdisch-christlichen Tradition? Was beinhaltet der Begriff ´Digitalisierung`? Und schließlich: „Wem gehört die Zukunft?“ (Jaron Lanier).

„Arbeit“ aus jüdisch-christlicher Tradition in evangelischer Ethik?

Um zu begreifen, welche Herausforderungen mit der Digitalisierung verbunden sind, stelle sich Pelikan zufolge in jüdisch-christlicher Tradition mit der Bibel die Frage: „Neuer Wein in neuen Schläuchen“? (Mk 2, 22) Das biblische Votum leite dazu an, bisherige Vorstellungen von Arbeit zu überdenken, um zu verstehen, wie die Digitalisierung das Leben von allen fundamental verändert. Die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“ (2015) hat diese Veränderung als Aufgabe benannt.

Was heißt: Arbeit 4.0 als Digitalisierung?

Im Prozess der Digitalisierung zeichnen sich unter dem Stichwort ´Arbeit 4.0  gegensätzliche Interessen ab: Die Faszination des technisch Machbaren und die Reduzierung von Arbeitsplätzen, Marktvorteile durch neue Technologien und die Frage der Qualifizierung für Mitarbeitende, eine ´Rund-um-die-Uhr`- Produktivität und dagegen das menschliche Ruhebedürfnis, mithin: Roboter gegen Sonntagsruhe? Wenden wir uns dem Anfang der Bibel zu, so ist bemerkenswert, dass zum einen in 1.Mose Kapitel 1 Gott selbst als erster Arbeitender vorgestellt wird: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, und nach getaner Arbeit die wohlverdiente Ruhe einnimmt. Sodann überträgt Gott dem Menschen die Verantwortung für die Welt. Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre. Das bleibt auch im Umgang einer digitalisierten Welt die geschöpfliche Bestimmung des Menschen. Pelikan verwies dazu auf die jüngste Publikation des kda, „Arbeit im Alltag 4.0. Wie Digitalisierung ethisch zu lernen ist“ (2018). Arbeit 4.0 bedeute z.B., dass künftig Roboter in der Produktion tatsächlich zum ´Kollegen` werden und daher die Art der Zusammenarbeit neue Fragen für Ethik und Arbeitswelt aufwirft.

„Wo bitte geht´s nun zur Zukunft?“ – Orientierung um Ethik zu lernen.

Der kda Bayern begibt sich in seinen betrieblichen Kontakten auch auf den Weg der Digitalisierung. Dabei finden Begegnungen und Gespräche zur menschengemäßen Perspektiven der „Arbeit 4.0“ statt. Pelikan erinnerte an das biblische Wort: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“ (Psalm 127, 2) Denn Alarmismus und Bagatellisierung sind schlechte Ratgeber. Im konkreten betrieblichen Umgang mit der digitalen Arbeitswelt ist gemeinsam in neuer Weise zu erproben, wie Menschen mit anderen zusammenarbeiten können. Die Digitalisierung muss daher 1. menschengemäß gestaltet werden, 2. sich am Gebot der Heiligung des Feiertags ausrichten als heilsamer Begrenzung der Arbeit, und 3. Ethik lernen im gemeinsamen Umgang von Mensch und Maschine. Um mit dem Apostel Paulus zu sprechen: „Stellt euch nicht der Welt gleich, sondern lasst eure Wahrnehmung verändern, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute, Angemessene und Vollkommene.“ (Römer 12, 2).

Dr. Roland Pelikan blickte bei seinem Vortrag in Kronach aus theologisch-ethischer Sicht auf die Herausforderungen der Digitalisierung.
Foto: Joachim Wegner
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