Arbeiten unter Druck

REGENSBURG. Von 26. bis 27. Januar 2019 fanden die 45. ökumenischen Bildungstage im Exerzitienhaus Werdenfels statt. „Arbeiten unter Druck“ – Hetze, Stress und immer mehr Arbeit setzt die Menschen in der Arbeitswelt mehr und mehr unter Druck. Auch der Zeitdruck in der Arbeitswelt wird stärker und stärker.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten fühlen sich oft oder sehr oft bei ihrer Arbeit gehetzt und belastet. Die ökumenischen Bildungstage boten in diesem Jahr die Gelegenheit, mit Verantwortlichen aus Kirche und Gewerkschaft, wie Msgr. Thomas Schmid (KAB-Diözesanpräses), Christian Dietl (DGB Oberpfalz) sowie Andreas Helldörfer (Diakon und Leiter der Kirchenverwaltungsstelle Altdorf bei Nürnberg) darüber ins Gespräch zu kommen, sich über die persönliche und allgemeine Situation auszutauschen und nach Strategien und Lösungsansätzen zu suchen, wie es besser gehen könnte.

So ging Andreas Helldörfer kritisch mit der gängigen Formel „Leistung = Arbeit : Zeit“ ins Gericht. „Das wird wohl nicht allen Situationen im Leben gerecht“, so Diakon Helldörfer. Es entsteht spürbarer Druck. Negative Auswirkungen können z.B. Mobbing, Gewalt und auftretende Krankheiten sein. Um mehr und intensivere Arbeit leisten zu können, bzw. zu müssen, wird nicht die Aufgabe reduziert, sodass hierfür Ressourcen frei werden, sondern die Arbeit wird immer weiter verdichtet. Zeit wird zum „Luxus“. Christian Dietl stellt die Frage: „Zu welchen Konditionen können wir unsere Arbeitskraft verkaufen, wenn sie jemand möchte“. Aufgrund des demographischen Wandels könnte lautes Nachdenken hierüber angebracht sein. Laut Msgr. Schmid müsste der Lösungsweg die „Entrümpelung der verdichteten Zeit und die bleibende Frage nach Menschlichkeit, nach Würde, nach wesentlicher Einmaligkeit und Einzigartigkeit“ sein.

Dies eröffnete die Perspektive, das Thema „Arbeiten unter Druck“ aus ethisch-theologischer Sicht zu betrachten. Pfarrer Peter Lysy (kda) erarbeitete mit den Anwesenden hierzu einen Spannungsbogen zwischen dem Alten Testament und heute. Dies mündete in konkreten Vorschlägen, was wir selbst aus theologischer Perspektive tun können:
Den Glauben als Wahrnehmungsschule begreifen, die „Dämonen“ (= Mächte und Gewalten), die uns unter Druck setzen, in den Blick bekommen und benennen (Jesu Zuspruch: „Fürchtet euch nicht“), um Be-Frei-ung bitten (= Zentrum unseres Glaubens) und den Tempel (= Zufluchtsort) aufsuchen. Dies können Ärzte, Beratungsstellen, Therapeuten, Rechtsanwälte, Vertreter der Kirche, Selbsthilfegruppe o. Ä. sein.

Abgerundet wurde das Seminar am Samstag durch einen abendlichen Gottesdienst des Hausleiters, einem darauf folgenden geselligen Abend mit Musik und Tanz und einer sonntäglichen Abschlussandacht von und mit Pfarrer Lysy.

An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen: Die nächsten ökumenischen Bildungstage finden am 25.-26. Januar 2020 statt.

Foto: KAB Regensburg

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