Es ist eine Frage des Respekts, Pflegeberufe aufzuwerten

NÜRNBERG: Der Equal Care Day richtet den Blick auf die Situation von Menschen, die sich um Alte und Kranke kümmern: Es sind vorwiegend Frauen, die zum Beispiel in der (Kranken-) Pflege arbeiten. Der kda Bayern unterstützt in diesem Zusammenhang die Forderungen des Bayerischen Landesfrauenrates nach besseren Rahmenbedingungen und sicheren Strukturen für Beschäftigte in der Pflege.

„Frauen sind die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten in der Pflege: Der Anteil in der Altenpflege mit 84 Prozent liegt noch etwas höher als in der Krankenpflege mit einem Frauenanteil von 80 Prozent. Über die Hälfte der Erwerbstätigen, 58 Prozent, arbeiten in Teilzeit oder sind geringfügig beschäftigt“, so der bayerische Landesfrauenrat in seinem Papier zur „Trendwende in der Pflege“.

Laut Luise Klemens, ver.di Landes-Bezirksleiterin, haben die Beschäftigten in der Pflegebranche in der Pandemie erlebt, dass sich trotz Klatschen auf den Balkonen ihre Arbeitsbedingungen nicht verbessert haben: Weiter gibt es zu wenig Beschäftigte in der Pflege, es gibt keine erhöhten Personalschlüssel, Doppelschichten und aus dem Frei geholt zu werden sind weiter Usus, die Gehälter sind nicht gestiegen. „Die Pandemie hat da wie ein Brennglas den Scheinwerfer drauf gerichtet“, so Klemens. Hinzu käme, dass es Urlaubssperren über viele Monate gab und die Pflegenden Patient*innen und Kolleg*innen verloren hätten. Diese große psychische Belastung, für die es keinen Ausgleich gab, habe dazu geführt, dass viele darüber nachdenken, ob sie den Beruf wechseln. „Viele Teams sind am Rande ihrer Kraft“, berichtet Klemens. Nach Ansicht der ver.di Landes-Bezirksleiterin entsteht aus den Erfahrungen in der Pandemie dringender Handlungsbedarf, was die Finanzierung und die Verbesserung von Bedingungen in der Pflege anbetrifft.

Pflege ist ein gesellschaftliches Thema

Deshalb sieht Klemens die Pflege als Zukunftsthema: Einerseits müsste ein verbindlicher Personalschlüssel eingeführt werden, der eine ausreichende Zahl von Pflegepersonal pro Patient*in gewährleistet. Außerdem sollen die bestehenden Tarifverträge allgemeinverbindlich sein und für alle öffentlichen, kirchlichen und privaten Träger gelten. „Wir brauchen immer Menschen, die sich um alte oder kranke Menschen kümmern und das gut und gerne tun. Jede/r kann krank oder pflegebedürftig werden und deshalb ist es nicht nur ein Thema für die Pflegeberufe, sondern ein gesellschaftliches Thema“, so Klemens.

Wichtig sei auch eine Deckelung der Kosten für die Betroffenen, damit die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen nicht finanziell überlastet werden. „Wir haben aus der Pandemie gelernt, dass wir ohne ein gut funktionierendes Gesundheitswesen echt aufgeschmissen wären. Es ist eine Frage des Respekts, diese Berufe mit besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen aufzuwerten“, so ihr Fazit.
Für Nina Golf, wissenschaftliche Referentin des kda, ist der nächste Schritt klar: „Die Politik ist nun gefordert, die Interessen zu bündeln und endlich konkrete Modelle und Pläne auf den Tisch zu legen. Und das geht sicherlich nur mit den Beschäftigten. Das Ziel ist, eine zukunftsfähige und angemessene Normalität zu schaffen und das Berufsfeld für Einsteiger*innen attraktiver zu machen, statt den Pflegebereich immer weiter ausbluten zu lassen – auch zu Lasten der Pflegebedürftigen.“

Weitere Informationen können beim Bayerischen Landesfrauenrat nachgelesen oder im Podcast angehört werden.

Foto: Ridofranz/Getty Images

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