Ethik als Kunst der Lebensführung

HANNOVER.NÜRNBERG. Mit Beginn des Jahres 2019 ist mit Professor Friedrich Heckmann ein dem kda Bayern verbundener akademischer Lehrer in den Ruhestand gegangen. Anlässlich dieses Datums haben ihm Kolleg*innen und Freund*innen eine Festschrift mit dem programmatischen Titel „Ethik als Kunst der Lebensführung“ gewidmet. Zu den Autor*innen zählen auch Professor Dr. Johannes Rehm und Pfarrer Peter Lysy.

Besondere Verbundenheit mit dem kda

Professor Heckmann zählt zu den führenden Sozialethikern im deutschsprachigen Raum. Ihm war es in seinem Lehren stets ein besonderes Anliegen, Ethik nicht als Reflexion theoretischer Ansätze zu vermitteln, sondern zu erforschen, wie Ethik als Kunst der Lebensführung praktische Relevanz gewinnt – gerade auch im beruflichen Alltag unterschiedlicher Professionen.

Dies begründet seine besondere Verbundenheit mit dem Arbeitsfeld des kda. Als erster Assistent von Professor Hans G. Ulrich am Lehrstuhl Sozialethik der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begleitete er von akademischer Seite das Industriepraktikum (heute: Arbeitsweltpraktikum) des kda. Auch seine Dissertation „Arbeitszeit und Sonntagsruhe: Stellungnahmen zur Sonntagsarbeit als Beitrag kirchlicher Sozialkritik im 19. Jahrhundert“ behandelte ein Kernthema des kda.

Heckmann entwickelte ein eigenes Modell des Ethiklernens, das auf der antiken Tugendlehre und der modernen Lebenskunstphilosophie basiert und sechs ethische Lernfelder identifiziert. Dieses Modell gibt der Festschrift seine Struktur.

Arbeit als Gelegenheit des Glaubens begreifen

Unter der Kapitel-Überschrift „Das Wissen um das Strukturelle“ ist Johannes Rehms Aufsatz verortet. Er beschreibt, wie der kda Bayern sich dem sich vollziehenden Wandel in der Arbeitswelt stellt. Dieser, so Rehm, sei durch den digitalen Wandel, einem wachsenden Risiko von Altersarmut für Menschen in nicht auskömmlichen Arbeitsverhältnissen und brüchigen Erwerbsbiografien und einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit geprägt. Rehm macht in seiner Reflexion ein biblisch fundiertes und reformatorisch geprägtes Verständnis von Arbeit als Ausgangspunkt für die Arbeit des kda und die Bewertung der aktuellen Entwicklungen in der Arbeitswelt stark. Dieses Verständnis begreift Arbeit als Berufung und Dienst und damit als Gelegenheit des Glaubens.

Den Betrieb als Ort geschöpflicher Existenz entdecken

Diesem Verständnis folgend beschreibt Peter Lysy im Kapitel „Gestaltung von Beziehungen“, wie in der Arbeit des kda der Betrieb als Ort geschöpflicher Existenz entdeckt wird. So suchen Mitarbeiter*innen des kda das Gespräch darüber, wie im Betrieb Berufung gelebt und Dienst am Nächsten praktiziert werden kann und was daran hinderlich ist. Dies erfolgt sowohl in der Betriebskontaktarbeit, etwa bei Betriebsbesuchen, bei Betriebsversammlungen, in der Seelsorge, etwa bei Trauerfällen im Betrieb, oder der Gestaltung von Gottesdiensten und Andachten, als auch in der Betriebskrisenarbeit, etwa bei einer drohenden Unternehmensinsolvenz, der Schließung eines Standorts oder einer Entlassungswelle. Aus dieser Perspektive werden auch (angehende) Pfarrer*innen in den betrieblichen Bildungsangeboten des kda Bayern wie dem Arbeitsweltpraktikum oder dem Wirtschaftsvikariat angeleitet, den Betrieb und die Menschen, die dort arbeiten, in den Blick zu nehmen.

Die Festschrift, die noch viele andere wertvolle Anregungen und interessante Artikel enthält, kann auch über die kda Zentrale bezogen werden: V. Begemann, C.Burbach, D. Weber (Hg.): Ethik als Kunst der Lebensführung. Stuttgart 2018.

Foto: Christopher Burns auf unsplash.com

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