Gleichberechtigung fängt bei den Kleinen an – ein Interview

NÜRNBERG. Ruth Gärtner, eine Frau, die der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) ehrenamtlich verbunden ist, ist aus Lichtenfels zum DGB Frauengipfel nach Nürnberg gekommen. Dort dreht sich alles um gleichberechtigte Sorgearbeit. Referentin Christina Klenner vom INES Institut Berlin konnte zwar Fortschritte vermelden: Die Erwerbstätigenquote von Frauen ist gestiegen und liegt heute bei 72 Prozent. Aber Frauen leisten 45% ihrer Gesamtarbeitszeit unbezahlt (Männer 28%), verdienen 21% weniger als Männer, sind bei den Minijobs mit 62 % vertreten und bekommen nur halb so viel Rente wie Männer. So die aktuellen Zahlen im WSI Gleichstellungsreport der Böckler Stiftung. Wir haben Ruth nach ihren Eindrücken und Erfahrungen mit der Gleichberechtigung gefragt.

Was ist dir wichtig, hier zu sein und mit den anderen Frauen hier zu hören?

Ich wollte mich über den Stand der Gleichstellung von Frauen informieren, was es Neues dazu gibt. Einiges kenne ich schon. Ob sich was geändert hat zugunsten von Frauen. Aber nach dem Referat von Frau Klenner haben wir mitbekommen, dass sich nur ganz wenig geändert hat und das ist natürlich enttäuschend. Es deprimiert, dass es immer nur so kleine Schrittchen vorangeht. Wir haben so lange gekämpft, 30 Jahre und mehr und es hat sich fast nichts verändert – traurig.

Wie war das in deinem Leben, in deiner Ehe, in deiner Familie. Warst du diejenige, die vorwiegend die Care-Arbeit übernommen hat?

Am Anfang nicht. Da hatte ich ein Kind und habe noch ganztags gearbeitet, weil sich die Oma gekümmert hat. Später überwiegend schon. Ich habe nur noch halbtags gearbeitet mit drei Kindern. Aber ich hatte Glück, dass ich einen Mann hatte und habe, der von Anfang an die Gleichberechtigung gelebt hat. Er hat sehr viel im Haushalt mitgemacht, die Kinder versorgt, wenn ich mit meiner Frauengruppe fort bin nach Berlin, da hat der gewickelt, gefüttert. Das war überhaupt kein Thema.

Hast du das Gefühl, dass deine Kinder davon etwas gelernt haben?

Ich habe meine zwei Söhne so erzogen, dass sie alles können den Haushalt betreffend. Das war nicht ganz einfach, weil mein Kleiner wollte ein bisschen auf Pascha machen. Ich habe ihm erklärt, dass ich das nicht möchte. Und meine Jungs machen heute auch alles im Haushalt. Ich habe damals zu meinem Großen gesagt: Deine Frau arbeitet den ganzen Tag und du auch – also müsst ihr euch alles teilen. Wenn alle Frauen das weitergeben würden, dass sie ihre Jungs gleichberechtigt erziehen, dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Nicht verwöhnen, sondern selber machen lassen – von klein auf an. Ihnen vermitteln, dass sie Aufgaben im Haushalt genauso können wie Frauen.

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