Koalitionsvertrag: Netzwerk-Forderung nach einem aktuellen Mobbing-Report aufgenommen

NÜRNBERG. Der kda Bayern und ein breites Bündnis von Mitgliedsorganisationen des Netzwerkes Konfliktkultur und Mobbing in Nürnberg und München begrüßen das Vorhaben der neuen Regierung, sich in dieser Legislaturperiode intensiv dem Thema der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zu widmen und einen aktuellen Mobbing-Report zu erarbeiten.

Mobbing kein Randphänomen

Dass psychische Gewalt in Form von Mobbing am Arbeitsplatz kein Randphänomen ist, hat der von der Bundesregierung in Auftrag gegebene „Mobbing-Report“ (2002) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bereits vor 20 Jahren gezeigt: Jeder neunte Beschäftigte war demnach bereits einmal von Mobbing betroffen. Daher hatten sich die Netzwerkorganisationen in einem offenen Brief mit einem dringenden Appell an die neugewählten bayerischen Bundestagsabgeordneten und die Verhandlungsführenden der Koalition gewandt. Sie berufen sich auf ihre Beratungspraxis und die problematische Situation von Mobbing-Betroffenen, die nicht genügend und effektiv geschützt werden.
Sie halten es für wichtig, Mobbing als Rechtsbegriff zu definieren und eine Rechtsgrundlage zu schaffen, die einen effektiven Schutz vor Psychoterror am Arbeitsplatz schafft.

Neue Regierung setzt das Thema auf die Agenda

Die neue Regierungskoalition nahm das Anliegen des Bündnisses ernst und setzt sich das Thema auf die Agenda. Wörtlich heißt es dazu nun auf Seite 72 im Koalitionsvertrag:
Arbeits- und Gesundheitsschutz
Den hohen Arbeits- und Gesundheitsschutz in der sich wandelnden Arbeitswelt erhalten wir und passen ihn neuen Herausforderungen an. Insbesondere der psychischen Gesundheit widmen wir uns intensiv und erarbeiten einen Mobbing-Report. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen wir bei Prävention und Umsetzung des Arbeitsschutzes. Das betriebliche Eingliederungsmanagement stärken wir.

Als einen wichtigen Schritt zu einem Gesetz halten sie daher eine Neuauflage des Mobbing-Reports für dringend erforderlich und das Regierungsvorhaben für begrüßenswert. Nina Golf, wiss. Referentin des kda und Sprecherin des Netzwerkes sagt dazu: „Im Arbeitsleben gibt es vielschichtige Konflikte. Und nicht alle Konflikte sind gleich „Mobbing“. Aber dort wo die psychische Gesundheit massiv bedroht und zerstört wird, braucht es Schutz für die betroffenen Menschen. Gerade deshalb brauchen wir eine empirische Grundlage und darauf aufbauend klare Handlungsoptionen für Betroffene und eine Verantwortungspraxis von Führungskräften. Das kommt schließlich allen zugute, denn das Interesse von Arbeitnehmenden wie von Arbeitgebern an einem guten Betriebsklima und an einem fairen Umgang miteinander ist groß, auch wenn dies im betrieblichen Alltag nicht immer einfach ist.“

(Foto: Christian Edelmann/ Getty Images via Canva)

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