Mehr Schutz vor Mobbing am Arbeitsplatz

NÜRNBERG/ MÜNCHEN. In einem offenen Brief appelliert der kda Bayern gemeinsam mit anderen bayerischen Organisationen, die sich für eine konstruktive Konfliktkultur in der Arbeitswelt engagieren, an rund 50 Bundestagsabgeordnete. Der Begriff „Mobbing“ müsse gesetzlich zu definiert und damit ein effektiver Rechtsschutz vor Psychoterror am Arbeitsplatz geschaffen werden.

Zu den Koalitionsverhandlungen richten sich das Netzwerk Konfliktkultur und Mobbing im Großraum Nürnberg und das Netzwerk Konfliktkultur in München mit einem dringenden Appell an die 14 neu- und wiedergewählten Bundestagsabgeordneten der demokratischen Parteien aus Mittelfranken und an die zuständigen Ausschussmitglieder, sich für einen „effektiven Schutz vor Mobbing und Psychoterror am Arbeitsplatz“ einzusetzen, wie es in dem Brief heißt.
Auf evangelischer Seite sind neben dem kda Bayern auch das Dekanat Nürnberg und die Arbeitsstelle kokon für konstruktive Konfliktbearbeitung beteiligt.

Mobbing ist kein Randphänomen

Die Nürnberger und Münchner Netzwerke blicken auf mehr als zwei Jahre Beratungserfahrungen zurück und wissen deshalb, dass „Psychoterror am Arbeitsplatz keine Randphänomen“ ist, sondern „Millionen von Menschen betrifft“, heißt es in dem Schreiben an die Abgeordneten.
Der letzte von der Bundesregierung in Auftrag gegebene und veröffentlichte „Mobbing-Report“ liegt fast 20 Jahre zurück. Demnach war jede*r neunte Beschäftigte bereits einmal von Mobbing betroffen. „So, wie es ist, kann es nicht bleiben“, sagt Netzwerksprecherin Nina Golf vom kda Bayern. „Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, Mobbing als Rechtsbegriff zu definieren und eine Grundlage zu schaffen, die einen effektiven Rechtsschutz vor Mobbing am Arbeitsplatz schafft.“ Die unterzeichnenden Netzwerkorganisationen halten als wichtigen Schritt, eine Neuauflage des Mobbing-Reports für dringend erforderlich.

Arbeitgeber stehen in der Verantwortung

Auch wenn viele Arbeitgeber ein Interesse an einer positiven Betriebskultur und an einem fairen Umgang miteinander haben, so gebe es auch eine ganz andere Realität. „In vielen Fällen wenden sich Menschen an uns, die über einen längeren Zeitraum hinweg unter gezielten Angriffen auf ihre Persönlichkeit, unter Schikanen und Diskriminierungen leiden. Selbst wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld zu psychosomatischen und psychischen Erkrankungen führt, kommt es nicht selten vor, dass Vorgesetzte untätig bleiben. Von einigen Arbeitgebern wird Mobbing geradezu strategisch eingesetzt, um Mitarbeitende zur Kündigung zu treiben“, heißt es in dem Schreiben.

Breite Unterstützung

Unterstützt wird der offene Brief an neuen Bundestagsabgeordneten von:
Arbeitsstelle kokon für konstruktive Konfliktbearbeitung in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Bundesverband Mediation in der Arbeitswelt – Regionalgruppe Franken
DGB Region Mittelfranken
Diakonisches Werk Bayern
Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg
Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH
Katholische Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg – Beratung bei Konflikt und Mobbing in der Arbeitswelt
Katholische Betriebsseelsorge Nürnberg
Katholische Betriebsseelsorge im Bistum Eichstätt
kda – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Kirche
Klinikum Nürnberg
Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg
Mobbing Beratung in München
ver.di, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – Bezirk Mittelfranken

Die unterzeichnenden Organisationen arbeiten im „Netzwerk betriebliche Konfliktkultur und Mobbing in Arbeitswelt und Schule im Großraum Nürnberg“ sowie im „Netzwerk Konfliktkultur in München“ zusammen. Sie treffen sich regelmäßig zu inhaltlicher Fortbildung, kollegialem Austausch und veranstalten für die Öffentlichkeit Fachtage, Fachvorträge und Ausstellungen.

Hier finden Sie den offenen Brief zum Nachlesen.

(Foto: Norbert Feulner)

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