„Rechtswidrig und unsinnig!“ – kda-Leiter gegen HDE-Forderung, die Sonntagsruhe auszusetzen

NÜRNBERG. Der Handelsverband Deutschland (HDE) will die Sonntagsruhe im Handel für den Rest des Jahres aussetzen und danach aufweichen. Aus Sicht von Pfarrer Johannes Rehm darf dagegen am Sonntag auch unter dem Vorwand von Corona nicht gerüttelt werden. Der Handel brauche neue Ideen für das Einkaufen von Montag bis Samstag.

Sonntagsruhe vom Grundgesetz geschützt

Die vom HDE vorgeschlagenen Maßnahmen seien sowohl rechtswidrig als auch unsinnig, erklärte der Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der bayerischen Landeskirche, Pfarrer Johannes Rehm. „Der Sonntag lässt sich Gott sei Dank nicht so einfach abschaffen. Unser Grundgesetz schützt ihn. Der Handel wäre die erste Branche, die ohne Rechtsgrundlage sonntags arbeiten lässt.“ Mehr Sonntagsöffnungen machten aber auch wirtschaftlich keinen Sinn. Den meisten Händlern fehlten die Umsätze dann am Montag oder Dienstag.
„Es ist befremdlich“, so Rehm, „dass sich der Handelsverband auch noch darüber beschwert, dass in den letzten Jahren so viele rechtswidrige Verkaufssonntage vor Gericht gestoppt wurden.“ Für die unzähligen Verstöße gegen den grundgesetzlichen Sonntagsschutz wäre vielmehr eine Entschuldigung des HDE angebracht.

Frische Ideen von Montag bis Samstag sind gefragt

Dabei hat Rehm Verständnis für die schwierige Lage von Teilen des stationären Handels nach den Corona-Lockdowns. Die Läden benötigten dringend Unterstützung, zum Beispiel durch günstige Shopping-Tickets im öffentlichen Nahverkehr. Mit grundgesetzwidrigen Vorschlägen sei dagegen niemandem geholfen. „Der Handel braucht frische Ideen, wie das Einkaufen von Montag bis Samstag wieder attraktiver wird.“, erklärte kda-Leiter Johannes Rehm. Sonntagsöffnungen erhöhten in vielen Geschäften nur die Betriebskosten und führten dazu, dass die Personalausstattung und die Servicequalität an Werktagen leide.

Der kda ist Teil der kirchlich-gewerkschaftlichen Allianz für den freien Sonntag, die bereits viele Verstöße gegen die Sonntagsruhe verhindern konnte. Pfarrer Rehm: „Wir kämpfen für den Sonntag, denn er setzt der Arbeit eine heilsame Grenze.“ Das sei gerade für die Beschäftigten im Handel mit ihren hochflexiblen Arbeitszeiten von Montag bis Samstag extrem wichtig.

(Foto: Media Production/ Getty Images Signature via Canva)

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