Rehm: „Auch Verkäuferinnen haben ein Recht auf Freizeit und Familienzeit!“

MÜNCHEN. Die Coronakrise führt aktuell überall in Deutschland zu neuen Auseinandersetzungen um den Schutz des freien Sonntags, besonders im Einzelhandel. Auch beim Branchen-Dialog des Münchner ifo-Instituts, der heute stattfand, mündete die Diskussion immer wieder in die Forderung der Vertreter des Handels, öfter sonntags öffnen zu dürfen. So wünschte sich die Geschäftsführerin des Münchner Kaufhauses Konen, Gabriele Castegnaro, gleich sechs bis acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr.

Sonntag ist die Zeit, in der Ruhe angesagt ist

In dem Panel vertrat Pfarrer Johannes Rehm, Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, die Gegenposition: „Der Sonntagsschutz hat Verfassungsrang. Zum guten und gelingenden Leben gehört ein gesunder Wechsel zwischen Zeiten, in denen Kauf und Verkauf dran ist, und Zeiten, in denen Ruhe angesagt ist. Auch die Verkäuferinnen und Verkäufer haben ein Recht auf ihre Freizeit und Familienzeit,“ sagte Rehm in der Diskussion. Dies ist laut Rehm angesichts der erschwerten Arbeitsbedingungen unter Corona-Regeln derzeit vielleicht wichtiger denn je.

Lieber mehr Beratung als längere Öffnungszeiten

Aus Sicht des kda würden Sonntagsöffnungen auch in der Krise nur wenigen großen Händlern nutzen. Rehm schlug vor, statt auf immer längere Öffnungszeiten und immer größerer Verkaufsflächen zu setzen, wieder mehr in persönliche Beratung und Service zu investieren. „Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind die große Stärke des stationären Handels. Ich gehe dann in ein Geschäft, wenn ich weiß, dass ich dort gut beraten werde. Diese Stärke kann auch der Onlinehandel dem stationären Handel nicht streitig machen kann.“

Neben Prof. Dr. Johannes Rehm nahmen Wolfgang Puff (Handelsverband Bayern), Wolfgang Fischer (CityPartnerMünchen), Dr. Gabriele Castegnaro (KONEN Bekleidungshaus), Prof. Dr. Alain Thierstein (TU München) an dem Panel teil.

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