65 Jahre kda Bayern – 65 Jahre nahe bei den Menschen

NÜRNBERG. Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt feiert in diesen Tagen sein 65jähriges Bestehen. Am 1.  September 1954 trat mit Hans Siebert der erste Sozialfparrer der Landeskirche seinen Dienst an. Daraus entwickelte sich schließlich der “kda Bayern”, die Facheinrichtung der Evangelischen Kirche in Bayern für alle Fragen rund um Arbeit und Wirtschaft und Gesprächspartner für die Menschen in der Arbeitswelt.
Aufgrund dieses Jubiläums lassen wir im September jede Woche Zeitzeugen zu Wort kommen. Mit ihrer Hilfe werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte von Kirche und Arbeitswelt und gleichzeitig einen Blick auf aktuelle Herausforderungen.

Begegnungen am Ort der Arbeit

In Betriebe gehen, Kontakte knüpfen, Wochenend-Seminare anbieten: Der Sozialsekretär Johannes Sülzle aus Ingolstadt und Sozialpfarrer Wilhelm Scheuerpflug waren bereits Ende der 1960er Jahre bei dieser Form der Kontaktarbeit jenseits der Kirchengemeinde gemeinsam unterwegs. Da ging es um Begegnung und Austausch und „eine Sprache, die verstanden wird vom sogenannten einfachen Menschen“, erinnert sich Scheuerpflug. „Man hat sich sehr viel näher an die Menschen heran gewagt, wir haben uns bemüht, hinhörend zu reden.“
Zu verstehen und zu vermitteln, wie das Erwerbsleben die Lebenswirklichkeit der Menschen prägt, ist auch heute noch Anliegen des kda Bayern, und das Miteinander der Berufsgruppe gehört zum Arbeitsalltag. „Wir gehen gemeinsam zu Menschen in die Betriebe, hören uns ihre Sorgen an bei Betriebsschließungen, begleiten sie an Lebensübergängen wie etwa beim Berufseinstieg oder dem Weg in den Ruhestand mit Bildungsangeboten“, so die Stellvertretende kda-Leiterin Sabine Behrendt. „Uns ist wichtig, wie es Menschen geht, die sonntags arbeiten müssen oder deren Arbeitsplatz sich durch Automatisierung und Digitalisierung verändert.“

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Auf die Frage, was er als das Vermächtnis des Hans Siebert für die Landeskirche sieht, nennt Scheuerpflug drei Dinge: Mehr Interesse an der Arbeiterschaft auch in kirchlichen Gremien, mehr öffentliche Parteinahme von Pfarrer*innen für die „Anliegen der Arbeiter“ und weniger Vorurteile gegenüber Gewerkschaften. Hans Siebert starb 1971 an einem Herzleiden. Er hat, so Scheuerpflug, öfters darüber fantasiert, dass die Landeskirche „in jedem Kirchenkreis so ein kleines Amt“ installiert. Diese Fantasie ist Realität geworden. Der kda Bayern ist heute in jedem Kirchenkreis mit einer Regionalstelle vertreten, um bei den Menschen an ihren Arbeitsplätzen vor Ort zu sein.

Titelbild: Teilnehmer des Schulungskurses im Frühjahr 1956 (Foto: kda Bayern)

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