Sich trauen

Bald ist es so weit: Von der Ausbildung geht es in die große weite Welt. Einige sitzen schon auf gepackten Koffern, zumindest gedanklich, und träumen von einer neuen Stelle. Besonders beliebt sind bei den frisch gebackenen Fachkräften aus dem Hotel- und Gastgewerbe neue Herausforderungen im In- und Ausland oder in einer ganz anderen Arbeitswelt wie beispielsweise auf einem Kreuzfahrtschiff.

Vielleicht erinnern Sie sich noch selbst an Ihre Ausbildungszeit und den großen Tag der Abschlussprüfung?

In Gesprächen mit erfahrenen Fachkräften kommen bei diesem Thema auch immer wieder die eigenen Erfahrungen an die Zeit des Übergangs von der Ausbildung zur Fachkraft zur Sprache.

Aber zu aller erst geht es darum, eine anspruchsvolle Prüfung zu bestehen.

Im April und Mai beginnen die Abschlussprüfungen in Fachtheorie bei der IHK, der zuständigen Kammer für die Ausbildungsberufe im Hotel- und Gastgewerbe. Danach folgen im Juni und Juli die Fertigkeitsprüfungen in Fachpraxis. Nicht alle Prüfungsteilnehmenden sehen diesen Terminen gelassen entgegen, sondern haben auch Ängste und Sorgen, die sie damit verbinden.

So berichtet Julia*, eine Kursteilnehmerin:

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Meine Ausbildungszeit fiel teilweise noch in die Corona-Kontaktsperre und ich konnte einige praktische Arbeiten noch nicht ausreichend verstehen und üben. Ich habe nur Angst vor der Abschlussprüfung.“

Was soll ich nur tun?

Zum Trauen braucht es Ver-trauen. Das ist leichter gesagt als getan. Vertrauen heißt, das eigene Wohlergehen nicht unter Kontrolle zu haben und jemand anderen zu brauchen, der mich unterstützt.

„Wie kann ich mich nur trauen und diese große Aufgabe, die jetzt vor mir liegt, nur schaffen?“, fragt Julia in der Prüfungsvorbereitungsgruppe.

Damit ist bereits der erste Schritt getan. Julia macht sich auf den Weg und sucht sich erste Hilfe bei ihren Kolleg*innen, die ihr beistehen und sie unterstützen.

Sie erinnert sich und stellt fest: An diesem Punkt standen auch die Menschen, von denen uns die Bibel erzählt. Im Psalm 27,1 lesen wir:

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“

Als Gemeinde singen wir in dem Lied von Paul Gerhardt:

„Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“

(Evangelisches Gesangbuch Lied 361).

(* Name vom Verfasser geändert)

Diakon Thomas Ruthenberg, Kirchlicher Dienst im Gastgewerbe (kdg) im kda Bayern

Ausbildung, Gastgewerbe, Geistliches, Arbeitnehmende

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