Was darf das „tägliche Brot“ kosten?

TABARZ. Mit „blühenden (Tarif)Landschaften“ und der Frage was Lebensmittel beschäftigten sich am vergangenen Wochenende die Teilnehmenden eines dreitägigen Seminars der kda Regionalstelle Augsburg in Kooperation mit der Betriebsseelsorge im Bereich Donau-Ries und den Gewerkschaften NGG Thüringen und NGG Bayern. Beginnend mit den Preisveränderungen bei Lebensmitteln ging es zu der Frage, was Lebensmittel eigentlich kosten sollten. Nicht nur das Produkt, sondern die Menschen, die an dem Produkt und für das Produkt arbeiten, wurden dabei in den Fokus genommen.

(Foto: Martin Plein)

Betriebsbesuch bei Oettinger – Hightech statt gemütliche Braukultur

Im Mittelpunkt stand die Frage: Was ist mir nicht nur das Produkt an sich, sondern was sind mir z.B. tarifliche Löhne und vernünftige Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Ernährungsindustrie bei meinem „täglich Brot“ wert?
Konkret wurde dies bei einem Betriebsbesuch in den Produktionshallen der Brauerei Oettinger am Standort Gotha erlebbar. Der Betriebsratsvorsitzende vor Ort, Volker Ackermann, ermöglichte einen sehr interessanten und offenen Einblick in eine Lebensmittelbranche, welche weit weg ist vom verklärten Blick auf romantische Zeiten. Nicht der gemütliche Braumeister in einer Lederschürze sondern Lebensmitteltechniker, Computerfachleute, Verpackungsingenieure und viele mehr bestimmen das Bild in einer modernen Brauerei. Eine wichtige Information war dabei, dass auch außerhalb der Brauzeiten gearbeitet wird, um den Hygienevorschriften zu entsprechen. Das Reinigen der Anlagen und vor allem die Menschen mit dieser Tätigkeit werden bei den Arbeitszeiten oft übersehen.

Beim Betriebsbesuch in der Brauerei Oettinger bekamen die Seminarteilnehmer*innen einen Eindruck von moderner Braukunst.
Foto: kda Bayern

Tarife und Umsatz in der Ernährungsindustrie

Einen ganz anderen Einblick konnte ein weiterer Referent, der kommissarische Geschäftsführer der NGG Thüringen, Jens Löbel, geben. Er zeigt die Entwicklungen, auch in tariflicher Hinsicht, in der Ernährungsindustrie mit gut 18.500 Beschäftigten in Thüringen in den letzten Jahren auf. Die wichtigsten Teilbranchen sind Schlacht- und Fleischverarbeitung, Bäckerhandwerk, Getränke- und Süßwarenherstellung. Gerade die Tarifflucht großer Unternehmen oder die im Vergleich zum Westen immer noch deutlich niedrigeren Löhnen, zum Teil nur auf Höhe des gesetzlichen Mindestlohnes, machen den Mitarbeitenden zu schaffen. Dies verwundert umso mehr, als dass die Ernährungsindustrie nach der Auto- und Elektroindustrie in dem Bundesland der zweitgrößte Umsatzbringer ist.
Ein interessanter Hinweis kam von Löbel gerade in Bezug auf das Gastgewerbe: durch eine zunehmende gewerkschaftliche Organisation der Kolleg*innen konnten in den letzten Jahren deutliche Lohnzuwächse erreicht werden. Im Gastgewerbe gibt es dadurch nicht mehr das klassische Ost/West Lohngefälle, sondern zunehmend ein Gefälle Nord/Süd/West. In Thüringen sind die Löhne im Gastgewerbe mittlerweile höher als z.B. in Schleswig-Holstein.

Der Referent Jens Löbel gab einen aufschlussreichen Einblick in die Tariflandschaften der Ernährungsindustrie.
Foto: kda Bayern

Einsatz für wertvolle Lebensmittel

Nach einem sehr interessanten Seminar mit vielen Einblicken, lebhaften Diskussionen und Informationen aus erster Hand wurde von den Teilnehmenden, neben vielen Möglichkeiten des persönlichen Handelns und Einsatzes für wertvolle Lebensmittel und gerechte Entlohnung auch ein gemeinsames Vorhaben formuliert: Für zukünftige Seminare bei den Tagungshäusern noch genauer auf das Einhalten von Tarifverträgen oder der tariflichen Bindung, z.B. für den Küchenbereich, zu achten.

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